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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

der anderen Seite am Gemeindewald von Ammerschweier hin, dringtbis Zell vor, stösst am Hohnack auf den Gemeindewald von Türkheimund folgt schliesslich dem Gebirgskamm, parallel dem Münsterthal, bisan die französische Grenze bei der Schlucht. Das Münsterthal selbstscheint immer deutsch gewesen zu sein, wenigstens findet sich hierkein einziger französischer Ortsname.

Im Untereisass scheint also das Französische von den Hochvogesenüber die Wasserscheide hinaus in die Thäler der Breusch und der beidenGiessen vorgedrungen, dagegen im Markircherthal bis zur Wasserscheidezurückgedrängt worden zu sein; südlich von Türkheim ist das Fran-zösische auf der elsässischen Seite der Vogesen niemals gesprochenworden.

Es ist schon einmal davon die Rede gewesen, wie die politischenUmstände auf die Sprachenverhältnisse einer Gegend von Einfluss seinkönnen, es wurde erwähnt, dass die Grafen von Pappoltsstein alsHerren von Markirch hier an der Erhaltung von deutschem Geist unddeutscher Sprache Interesse hatten. So bedeutsam aber dieser Einflussgelegentlich sein kann, so ist er doch keineswegs ausschliesslich maass-gebend; so gehörten zum Beispiel im Breuschthal französische wiedeutsche Ortschaften zum weltlichen Herrschaftsgebiet der StrassburgerBischöfe und im Weilerthal besassen die Oesterreicher fast ebensovielfranzösische wie deutsche Dörfer.

Jedenfalls werden wir annehmen dürfen, dass die natürlichen,rein geographischen Verhältnisse für die Sprache einer Gegend, fürdie Rasse ihrer Bevölkerung wichtiger sind als die politischen undreligiösen. Denken wir nur an das oberste Breuschthal und dessenkleine Seitenthälchen, wo das Französische mit Erfolg sich auszubreitenund nach dem Eisass zu vorzudringen strebte. Hier haben wir vonLothringen her den weitgeöffneten, sehr leicht zugänglichen Gebirgs-pass von Saales, den bequemen Zugang zu einem weiten schönenThal , wo Landwirtschaft und Industrie seit alten Zeiten blühen. Daslockte naturgemäss den Lothringer an, im elsässischen Gebiete festenFuss zu fassen. Im Markicherthal dagegen ist der Gebirgspass zwischenElsa ss und Lothringen viel schwieriger, so dass hier die Vorwanderungvon Eisass her gegen Westen wohl begreiflich ist. In dem ausschliess-lich deutschen Münsterthal endlich treffen wir eine Art von kleinerRepublik an, bestehend aus der Stadt Münster und den umliegenden