TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
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der Heuboden, die Stallungen — alles ist hier unter einem einzigenDache vereinigt. Die Länge und Strenge der Winter lassen dieseEinrichtung begreiflich erscheinen: wenn lange Zeit hindurch das Haustief im Schnee steckt, wollen die Bewohner natürlich möglichst wenigzum Ausgehen gezwungen sein. Die Wohnräume befinden sich andem einen Ende des Hauses, die Mitte nimmt die Scheune mit einergrossen Thoreinfahrt ein, am andern Ende sind die Stallungen; voroder hinter diesen letzteren ist ein Wetterdach angebracht, unter demsich häufig ein Brunnen befindet mit einem hölzernen Trog, der alsTränke für das Vieh dient. Das Ganze ist mit Stroh, Schindeln oderZiegeln eingedeckt; unter dem Dach sind die Vorräte an Heu undStroh untergebracht. Diese Anlage der Gebäude trifft man ebenso inden deutschen Ortschaften an (z. B. in Graufthal, Grendelbruch, Dags-burg) wie auch in den französischen Gemeinden des Steinthals oderbei den Gehöften zwischen dem Rappoltsweiler- und dem Münsterthal.
ln dieser letzteren Gegend giebt es besonders merkwürdige Ort-schaften , deren Häuser in kleinen Gruppen weithin zerstreut sind.Urbach z. B. mit 2000 Einwohnern umfasst mindestens )0 Annexe,die auf den benachbarten Bergen liegen. All diese malerischen Häuser-gruppen an den steilen Bergabhängen inmitten spärlicher Getreide- undKartoffelfelder gewähren einen ungewöhnlich reizvollen Anblick. Inlangen Linien ziehen sich rauhe Pfade zwischen ihnen hin, eingefasstmit grossen Steinen, die man aus den Feldern herausgeworfen hat;man darf gut zu Fuss sein, wenn man diese Strohhütten besuchenwill, die manchmal wie bei Altweier bis zu einer Höhe von 1000Metern hinaufgehen.
Man kann sich leicht vorstellen, wie schwer das Leben unter solchenVerhältnissen ist. Drunten im Thal befindet sich die Kirche und umsie herum eine Anzahl von öffentlichen und privaten Gebäuden, dieden eigentlichen Kern der Gemeinde ausmachen: das Rathaus, dieSchulhäuser, das Pfarrhaus, die Post, der Hufschmied, einige Wirt-schaften und etliche Spezereiläden, aus denen die Bewohner der Um-gegend ihre Nahrungsmittel beziehen. Die Kinder gewöhnen sich früh-zeitig daran, den Ziegen gleich auf den Bergen herumzuklettern;zweimal im Tage laufen sie flink die steilen Pfade entlang, von daheimin die Schule und aus der Schule wieder nach Hause. Es ist einewahre Freude, die Kleinen mit ihren klappernden Holzschuhen auf
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