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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

juristischen Persönlichkeit gehören, die Eigentum erwerben und be-sitzen kann.

Wenn wir südwärts in das Münsterthal hinabsteigen, kommen wirohne jeden Uebergang wieder in deutsches Sprachgebiet. Als ich ein-mal diese Gegend durchwanderte, begegnete ich einer Anzahl Frauen,die Heidelbeeren pflückten; sie gingen in dem Busch herum mit einemhölzernen Instrument, das eine Art von Kamm und von Schaufel zugleicher Zeit war; damit strichen sie flink die kleinen Beeren ab, diesie in einem am Gürtel befestigten Gefässe sammelten. Diese Frauensprachen unter sich Patois und verstanden sonst nur französisch.Kaum hundert Meter davon entfernt stiess ich auf einen Mann, derKühe hütete; ich redete ihn auf französisch an und bat um eine Aus-kunft; er verstand mich aber nicht, da er nur deutsch sprach. Wiemerkwürdig, dass so die Leute fast Thüre an Thüre nebeneinanderwohnen, ohne sich verständlich machen zu können, wie man das auchin Steige und im Breuschthal beobachten kann.

Mit der Aenderung der Sprache nehmen wir auch eine Aenderungder Lebensgewohnheiten wahr: im deutschen Sprachgebiet sind dieWohnungen nicht mehr über grosse Strecken zerstreut, sie liegen viel-mehr im Thalgrund ziemlich beisammen, und die Berge werden nurden Sommer über bewohnt. Die Herstellung von Käse ist hier dasverbreitetste landwirtschaftliche Gewerbe; in Tausenden von Kilogram-men wird bekanntlich der berühmte Münsterkäse nach allen Richtungenversandt. Ein Melker so heissen diese Käsefabrikanten hat oftgegen dreissig oder auch noch mehr Kühe zu besorgen, sei es dasser sie zu eigen besitzt, sei es dass sie nur für die Käseperiode ge-mietet sind; im letzteren Falle werden dafür etwa 60 Franken zumvoraus bezahlt. Im Winter wird das Vieh in den Dörfern gefüttert,im Sommer aber auf den Bergen, wo es von Ende April bis zumSeptember sich aufhält; den Tag über ist es draussen auf der Weide,nur des Abends kehrt es in die Sennhütte zurück, die in der Näheeiner frischen Quelle angelegt ist.

Die baulichen Einrichtungen einer solchen Sennhütte sind die denkbareinfachsten. Gewöhnlich besteht sie aus zwei verschiedenen Gebäuden:das eine ist ziemlich gross und dient als Stall, das andere dagegenwinzig klein und wird gleichzeitig als Käserei und als Schlafzimmerdes Melkers benutzt. Der Stall ist sehr niedrig, sodass man kaum auf-