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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

Tiere sind daran gewöhnt, beisammen zu bleiben und denen unterihnen zu folgen, die eine Schelle tragen. Des Abends treibt der Melkerseine Kühe frühzeitig heim, melkt sie wieder und besorgt dann dieMilch und den Käse. Aber es kommen auch schlimmere Zeiten, indenen das Leben viel weniger gemütlich ist. Zu Beginn und am Endedes Aufenthalts muss das Vieh nicht selten wegen des Schnees imStall bleiben; denn in einer Höhe von 1000 oder 1200 Metern schneit esnoch im Monat Mai und schneit es schon wieder im September. Da nunin der Hütte keine grösseren Heuvorräte aufgestapelt sind, so kannman sich leicht vorstellen, welche Sorgen eine längere Dauer desUnwetters für den armen Melker mit sich bringen muss, bis er sichängstlich die Frage überlegt, ob er nicht besser daran thut, mit seinerHerde in das Thal hinabzusteigen. Alsdann kommen selbst im Sommerin diesen Höhen gewaltige Stürme vor, die Berge scheinen zu zittern,der Orkan entwurzelt die kräftigsten Bäume, die Thäler widerhallenvom Rollen des Donners. Da wird der Aufenthalt in der engenHütte neben der geängstigten Viehherde so ungemütlich wie nurmöglich. Sobald aber der Sturm sich gelegt hat, die Sonne wiederfreundlich strahlt, das um so frischere und dichtere Gras eine nochkräftigere Milch giebt, vergisst der Melker die ausgestandenenMühseligkeiten und nimmt freudig seine eintönige Arbeit wiederauf. Bereitwillig wird er dem Wanderer, der ihn des Morgens beiseiner Arbeit antrifft, den Durst mit frischer Milch löschen; nurdarf man nicht verlangen, dass er das erquickende Getränk in einembesonders eleganten Gefäss anbiete: er wird einen kleinen, bis anden Rand gefüllten hölzernen Kübel dem Gaste vorsetzen, der nunnach Belieben daraus trinken oder mit einem gleichfalls hölzernenrunden Löffel daraus schöpfen mag. Mit freundlichem Lächeln wirder dem Fremden guten Appetit wünschen und dann ruhig wieder anseine Arbeit zurückkehren; er ist nicht sehr unterhaltsam und esinteressiert ihn recht wenig, woher der Tourist kommt oder wohiner geht.

Sehr schlimm ist es, wenn ein Melker in dieser Bergeinsamkeitvon einer Krankheit befallen wird. Man hat mir in dieser Hinsichteinmal eine gar traurige Geschichte erzählt: Ein Melker hatte seineSennhütte an einer ganz besonders einsamen Stelle in den Bergen.Seit mehreren Wochen hatte er sie mit einem Dutzend Kühe bezogen,