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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

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der besonderen Transportbedingungen. Es giebt Holzschläge, die soweit von dem betreffenden Holzplatze entfernt sind, dass man an einemTage überhaupt nur eine Fahrt unternehmen kann. Sind die Bedingungenverhandelt und beiderseits angenommen, so machen sich die Holzhauergewöhnlich in der gleichen Weise an das Werk, wie man sich dasAusroden eines Urwaldes vorzustellen pflegt: sie erbauen sich einBlockhaus. An einem geschützten Punkte, bei einer Quelle oder amUfer eines Baches, errichten sie ein Gebäude aus übereinander gelegtenBaumstämmen in der Form eines Rechteckes; an der einen Schmalseitebefindet sich die Eingangsthüre, an den Langseiten sind Fenster-öffnungen ausgespart; das beiderseits stark abgeschrägte Dach bestehtaus Stangen, die mit Erde bedeckt sind; alle Fugen sind sorgfältigmit Moos ausgestopft. Die Küche befindet sich gewöhnlich vor derBaracke unter freiem Himmel; für den Fall länger andauernden Un-wetters ist aber auch mitten in dem einzigen Gemach, das der Innen-raum bildet, ein Herd und darüber ein Rauchfang im Dache ange-bracht. Das ganze Innere ist mit einer Art von sehr breiten Bänkenausgestattet; diese sind mit Tannenzweigen und Moos bedeckt unddienen den Tag über als Sitze und des Nachts als Betten. In diesenmalerischen, aber recht wenig behaglichen Baracken wohnen die Holz-hauer den ganzen Sommer über vom Montag bis zum Samstag jederWoche; den Sonntag bringen sie gewöhnlich zu Hause zu, um zurKirche zu gehen, Weib und Kind wieder zu sehen und um ihreLebensmittelvorräte zu erneuern.

Sobald die Baracke fertig ist, macht man sich tapfer an die Arbeit,und bald hört man von allen Seiten die gleichmässigen Axthiebe, dasKnirschen der Säge oder das dumpfe Krachen eines niederstürzendenBaumes. Es ist übrigens keine Kleinigkeit, einen dieser hundertjährigenRiesen bis zu 25 Meter Höhe zu Boden zu strecken. Dazu ist einenicht gewöhnliche Geschicklichkeit erforderlich: es gilt nicht nur, denBaum zu fällen, sondern auch nach Möglichkeit alles zu schonen,was rings herum steht; es ist natürlich ganz etwas anderes, einenBaum von solchem Umfange inmitten eines dichten Waldbestandesniederzulegen, als auf freiem Felde. Die grösste Kunst des Holz-hauers besteht darin, dass er die Richtung feststellt, in welcher derBaum fallen muss, und dann sozusagen mit mathematischer Sicher-heit dafür sorgt, dass der Fall auch genau in dieser Richtung statt-