TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
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nur von der Jagd gelebt: da war sie nicht ein Vergnügen, sondern eineNotwendigkeit. Wer ungeschickt oder überhaupt nicht jagte, lief Gefahr,Hungers zu sterben. Damals war die Erde noch schwach bevölkert unddas Wild um so reichlicher vertreten, die Jagd also um so ergiebiger.
Als dann mit der Verwendung der Haustiere die ganze Wirtschaft aufandere Grundlagen gestellt ward, bildete sich die Jagd,aufdie man jetztnichtmehr unmittelbar angewiesen war, allmählich zum Zeitvertreib für diegrossen Herren aus. Das Jagdrecht gehörte zu den Regalien, und als dieKönige die Ländereien unter ihre obersten Beamten aufteilten, legtensich auch diese das ausschliessliche Recht auf die Jagd bei, die sie mitniemand teilen wollten, um sich das Vergnügen, das als besondersvornehm galt, nicht beeinträchtigen zu lassen.
Das ganze Jagdrecht hat also einen recht willkürlichen Karakter :die Unterscheidung zwischen denen, die jagen dürfen, und den andern,denen es verboten ist, ist ganz und gar zu Gunsten der höheren Klassengemacht, während andererseits die Jagdleidenschaft von jeher demMenschen ohne Unterschied der sozialen Stellung angeboren ist, alsErbstück aus der grauen Vorzeit, da der Mensch das Wild verfolgenmusste, um seinen Lebensunterhalt zu gewinnen. Daraus ergiebt sich,dass notwendigerweise die Jagd allmählich aus unsern Lebensgewohn-heiten verschwinden muss, da sie in unsern Daseinsbedingungen nichtmehr begründet ist. Schon heute verdankt sie ihre Bedeutung nur nochdem Bedürfnis nach Zerstreuung und einer gewissen Grossmannssucht.Beredte Zungen haben sich daher schon gegen sie gewandt, so derbekannte Pierre Loti, der früher selbst ein gewaltiger Nimrodgewesen ist:
«Man stelle sich vor», schreibt er, «dass Tag für Tag eine Massevon Leuten, die auch nicht schlechter sind als die übrigen, nur desVergnügens halber solche Mordthaten begehen und sich sogar nichtscheuen, in ihrer Jagdtasche schwerverwundete kleine Vögel heimzu-tragen, denen sie nicht einmal den Gnadenstoss geben, die sie scham-los , halb erstickt unter den Leichen von ihresgleichen, dahinschmachten lassen!
Und das Taubenschiessen! Giebt es etwas Roheres und Alberneresals diesen Zeitvertreib einiger Lebemänner?
Und dann die grossen eleganten Jagden! Wenn ich in denArtikeln der Sportzeitungen am Ende der Beschreibung einer solchen