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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

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vielen andern zum Schmuggeln von Waren zu benutzen. Das liess sichum so leichter durchführen, als sich der ganze Vorgang in vollerOeffentlichkeit abspielte, unter Entrichtung der gesetzlichen Abgaben,die auf dem Biertransport ruhten. Und zwar liess sich hiebei sowohlauf dem Hinwege wie bei der Heimfahrt etwas machen. In der Haupt-sache aber wurde doch immer zu Schiffe über den Fluss hin- undhergeschmuggelt, wobei es galt, die wachsamen Flusswächter aufzuspürenund hinter das Licht zu führen. Man benutzte natürlich die Nacht dazu;ein Zündholz, dicht über dem Wasser abgebrannt, genügte als Signalvon dem einen zum anderen Ufer hinüber.

Wilddieberei und Schmuggel sind die beiden gesetzwidrigen Neben-gewerbe, die von denjenigen elsässischen Bauern betrieben werden, diesich gerne in Gefahr begeben. Ich denke mir, dass der durchschnittlicheGewinn weder zu den Beschwerden noch zu den Strafen, denen mansich aussetzt, einigermassen im Verhältnis steht. Man wird wohlannehmen dürfen, dass jeder Hase, den ein Wilddieb sich schmeckenlässt, alles in allem ihn teurer zu stehen kommt, als wenn er ihn gekaufthätte ; denn schliesslich kommt es doch fast immer dazu, dass der armeTeufel einmal erwischt wird, gerade wie sein Genosse bei derSchmuggelei. Wenn diese Leute die Anstrengungen und die ungewöhn-liche Klugheit, die sie auf jene gesetzwidrigen Beschäftigungenverwenden, dem Betrieb ihrer Landwirtschaft zu gute kommen Hessen,würden sie ganz zweifellos ungleich grösseren Gewinn haben, alleindie verbotene Frucht schmeckt nun einmal am besten und die damitverbundene Gefahr reizt um so stärker an, als man bei diesen Sachenkeine Gewissensbisse zu haben braucht. Das Volk hat die Anschauung,dass weder der Schmuggel noch die Wilddieberei einen Diebstahl oderBetrug im eigentlichen Sinne bedeuten. In der Vorstellung des Volkeshaben diese Vergehen weder mit den Grundlagen unseres öffentlichenLebens noch mit den Gesetzen der Ehrenhaftigkeit irgend etwas zu thun.Man kann ein recht braver Mann sein, wenn man auch hie und da eineSchlinge legt und man kann nach wie vor ein Ehrenmann bleiben, wennman auch gelegentlich eine Anzahl von mehr oder minder schlechtenZigarren heimlich über die Grenze bringt. Es kommt dabei nur daraufan, dass man sich niemals erwischen lässt.

Der berühmteste Schmuggler unseres Landes, der den ganzen Berufberühmt gemacht hat, ist zweifellos Schulmeister, der nach einem