TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
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geschickteren Menschen gegeben habe. Den Wienern flösst er solchenSchrecken ein, dass er allein ein ganzes Armeekorps aufwiegt. SeineErscheinung entspricht seinem Rufe. Er hat lebhafte Augen mitdurchdringendem Blicke, eine ernste und entschlossene Miene, heftigeBewegungen, eine feste, klangvolle Stimme. Er ist eine mittelgrosse,untersetzte Gestalt und von cholerisch-sanguinischem Temperament.Er kennt Oesterreich durch und durch und zeichnet meisterhaft dasPorträt der Personen, die darin eine Rolle spielen. In Strassburgbesitzt er mehrere Fabriken. Er macht kein Hehl daraus, dass erSchmuggler war, bevor er militärischer Beobachter wurde. Schmuggelund Polizei, sagt er, sind nahe verwandt. An der Stirne hat er tiefeNarben, ein Zeichen, dass er in gefährlichen Augenblicken nicht davongelaufen ist. Er ist auch edelmütig; er erzieht zwei junge Waisen, dieer adoptiert hat. t>
Schulmeister hat sich nahe bei Strassburg auf seiner schönenBesitzung Meinau ein hübsches Schloss erbauen lassen, das heutzutageschon wdeder verschwunden ist. Den grössten Teil seines sehrbedeutenden Vermögens hat er wieder verloren; er starb 185^, imAlter von 83 Jahren.
Die Rheinebene weist eine stattliche Zahl von bemerkenswertenOrtschaften auf. Ich will hier nur Ensisheim, Neubreisach, Markolsheimund Rheinau herausgreifen. Mit Ausnahme von Neubreisach, dessenGründung auf die Zeit Ludwigs XIV. zurückgeht, sind es uralte Orte,die ich hier näher bespreche, weil sie mehr oder weniger für alleOrtschaften der Ebene als typisch gelten können, nicht etwa, als obsie wichtiger wären als andere.
Ensisheim ist ein Städtchen, das von seinem ehemaligen Glanzeherabgesunken, aber voll von Erinnerung an die Vergangenheit ist.
Neubreisach ist die karakteristische Festung aus der Zeit Ludwigs XIV.
Markolsheim ist das grosse reiche Dorf inmitten einer fruchtbarenEbene.
Rheinau ist das richtige Rheindorf, dessen Häuser zwischen zahl-reichen Wasserläufen bis ganz dicht an den Strom herangehen.
Wie Benfeld, Erstein, Gemar und andere Punkte war auch Ensisheimin früheren Zeiten stark befestigt, mit doppelter Mauer und breiten Gräben.« Die Habsburger hatten es zur Hauptstadt ihrer elsässischen Besitzungengemacht und im 15. Jahrhundert hier eine Landvogtei eingerichtet, die