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ERLÄUTERUNGEN DER FARBENTAFELN
waren. Diese Hauben waren gestickt oder gesteppt, aus Seide oder auch aus einemgewöhnlicheren Stoffe, manchmal auch mit unächten Steinen verziert.
48. Junges Mädchen aus Bischofsheim.
Dieses Kostüm, das heutzutage nur mehr von den alten Frauen getragen wird, istfrüher auch von den jungen Mädchen und selbst von Kindern getragen worden.
49. Bauer aus der Umgegend von Schlettstadt in der Sonntagstracht.
Dieses Kostüm, das heute noch getragen wird, hat an der Mode von i83o festge-halten; im übrigen weist es keine Besonderheiten auf und ist nur ein neuer Beweis fürdie Macht der Gewohnheit bei der ländlichen Bevölkerung.
50. Bauer aus der Umgegend von Schlettstadt in der Arbeitstracht.
Bemerkenswert ist hier nur der Hut, dessen Form für die Bauern aus dem Ried beiSchlettstadt bezeichnend zu sein scheint.
51. Rebleute (Umgegend von Oberehnheim).
Die Tafel bedarf keiner weitläufigen Erläuterung. Der Rebmann mit der Bütte aufdem Rücken trägt den «Träumutze», eine Art Jacke aus grober Leinwand, die starkgefüttert ist, damit die aus Weidenruten geflochtenen Tragbänder der Bütte den Trägernicht verletzen. Diese Jacken werden hauptsächlich bei der Weinlese getragen; denn indieser Zeit haben die Leute die Bütten, die gefüllt nicht weniger als 60 Kilos schwersind, ungemein oft hin und herzuschleppen.
Eine Eigentümlichkeit des Rebmanns ist auch die Schürze, häufig schwarz (Heiligen-stein), wie die von den Fassbindern getragenen.
Der Künstler hat bei dieser Zeichnung sich über den Umstand hinweggesetzt, dassdie beiden dargestellten Beschäftigungen : Aufrichten der Rebpfähle und Weinlese, sichnicht gleichzeitig vollziehen. Er weiss sehr wohl, dass das erstere im Frühling geschieht,während die Reben im Oktober geschnitten werden. Er wollte nur auf ein und dem-selben Blatte den Rebmann von verschiedenen Seiten beleuchten.
<\ 2 . Winzerin (Umgegend von Oberehnheim).
An diesem Kostüm der Winzerin ist im allgemeinen nur die grosse Unsauberkeitauffallend. Bekanntlich findet die Weinlese im Oktober statt, wo es viel regnet und oftschon sehr kalt ist. Es ist daher ganz begreiflich, dass hier im Gegensatz zur Heu- undGetreideernte die Frauen auf die Toilette kein besonderes Gewicht legen. Gewöhnlichtragen sie Holzschuhe und hüllen sich in grosse Tücher oder alte Ueberröcke; denKopf bedeckt ein Halstuch, das unter dem Kinn zusammengeknüpft wird.
55. Kleidung und Kopfbedeckung im Ober-Elsass.
Der kleine Kopf links oben trägt die Haube, die bereits bei Tafel 45 besprochenwurde. Bemerkenswert ist hier die Halskrause, ganz ähnlich wie sie in der Umgegendvon Weissenburg getragen wird; sie besteht aus einer steifen Halsbinde mit Spitzenund Bändern, die im Nacken zusammengeknüpft sind; auf Tafel 56 werden wir dergleichen Anordnung wieder begegnen.