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Cicero de oratore / Marcus Tullius Cicero ; für den Schulgebrauch erklärt von Karl Wilhelm Piderit
Entstehung
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DRITTES BUCH.

Ehe nach dem Proömium (der Vorrede an den Bruder Quintus1, l5, 17 u. der kurzen dramatischen Einleitung 5, 17 19 ) Crassus,der nun fast ausschliesslich zu reden hat, auf sein eigentliches Thema(die stilistische Form) übergeht, weist er zuvor im Allgemeinen sowolauf die Einheit von Stoff und Form überhaupt, als auf die Ein-heit der Beredsamkei t als Kunst trotz der .Mannigfaltigkeit unddes verschiedenen Charakters der einzelnen Redner hin (5, 1910, 37 )und geht dann zunächst zur Darstellung A. der elocutio über{10, 3756, 213 ). Ueber die beiden ersten bekannten und gewöhn-lichen Erfordernisse der Sprachrichtigkeit und Deutlichkeit(der grammatischen und logischen Richtigkeit) (10, 3714, 52 ) wie zu-letzt über das vierte: die Angemessenheit des Ausdrucks(55, 211 213 ) kann Cr. schneller hinwegeilen; desto länger muss erbei dem dritten, der ästhetischen Haltung oder der geschmack-vollen Darstellung verweilen, in der sich das eigentliche Wesen deswahren Redners offenbart (14, 5255, 211 ). Erst wird daher der Be-griff des ornate dicere gegeben, dann aber, bevor die Vorschriftendarüber folgen, um den richtigen Masstab dafür zu gewinnen daraufhingewiesen, wie ursprünglich die (praktische) Klugheit des Staats-manns und die (theoretische) Weisheit des Philosophen nicht von ein-ander getrennt waren und die eloquentia, 'der Gedankenausdruck alseine der Cardinaltugenden mit der sapientia, 'dem Denken selbst zu-sammenfiel. Erst seit Sokrates schied sich die Philosophie, als dieWissenschaft des Denkens, von der Eloquenz, als der Kunst zu reden eine Thatsache, die zu dem Excurs über die Geschichte der grie-chischen Philosophenschulen und deren Bedeutung für die Beredsam-keit Veranlassung gibt (14, 5219, 69). Für den wahren Redner exi-stiert jene abstracte Scheidung beider Gebiete nicht. Es handelt sichauch hier um das Ideal eines vollkommenen Redners; in einem solchenaber müssen philosophische (wissenschaftliche) Bildung ( wie das beidem allgemein menschlichen Charakter der Philosophie oder Wissen-schaft im Unterschied von den streng technischen Wissenschaften auchrecht xvol angeht) mit rednerischer Vollendung geeinigt sein. DieBeschränkung, dass der Redner nicht alle Wissenschaften ex professozu studieren braucht, versteht sich dabei von selbst (19, 6924, 9t).