120
J. & L. LOBMEYR, WIEN
In Lobmeyk besitzt die österreichische Industrie eine rührigeKraft, die hervorragendes Talent mit vorzüglichem Geschmackund nachhaltiger Energie verbindet, welche unbeirrt und muthigweiter strebt, nicht nur Ideale im Sinne trägt, sondern auchtechnisch vollendet zur Darstellung bringt. Auf mehr als einer
er sich auch auf das Studium der Farben verlegt, die im Glasso prächtige Effecte erzielen, aber auch sehr vorsichtig behandeltsein wollen, da der eigenthümliehe Glanz des Glases die Wirkungderselben verändert. Die Anwendung feingetonter Emailmalereiund des Goldes auf Krystall bildet eine löbliche Bereicherung
I?3r
jÄii'
huBr
B!i%,
maa
um
- V :A\!
\mm
Mh**a
'B !
ISS
rm
'mmm
- 4 \ Yv'
2-Hlk
Ausstellung hat Lobmeyr dafür Beweise geliefert, mehr als einen ! der farbigen Ziergefässe in der bereits hochentwickelten Glas-Sieg hat er errungen. Seine ersten Erfolge verdankte er haupt- | industrie. Dieselbe ist auch für die hier veranschaulichte Glas-sächlich den stilvollen Formen und der durchwegs untadelhaft i schale benutzt, die mit phantastischen mythologischen Figureneorreoten Ausführung seiner Krystallgegenstände, die er im Laufe j geschmückt ist, welche ihren seltsamen Beigen um das strahlen-der Jahre noch mehr vervollkommnete. In neuerer Zeit hat I förmig geschliffene Mittelstück der Schale schlingen.
tritt. An mehrem der ausgestellten Objecte ist dieses wahrhaftkünstlerische Decorationsmittel auch auf die Vergoldung ange-wendet. Ein Meisterwerk dieser Art ist eine Vase, deren ver-goldete Reliefs sich eben genug von dem Grunde abheben, ummit dem dunkeln Blau desselben und den gleichfalls in Goldausgeführten Flächenornamenten höchst wirksam zu contrasti-ren. Dieselbe Vase zeigt eine andere neue und gefällige Artder Verzierung: Gravirungen in l’latina, wobei das Metallin pulverförmigem Zustande aufgetragen, eingebrannt und dieZeichnung hierauf eingegraben wird.
Eine wichtige Neuerung ist ferner das Färben der ganzenThonmasse mittelst metallischer Oxyde, da die so erzeugten
Farben ohne im mindesten zu leiden, eine Temperatur von1800° C. aushalten. Die Oberfläche solcher Gefässe bleibt ent-weder glatt oder sie wird, um einen effectvollen Grund zugeben, auf mannichfaclie Art modellirt, geadert, punktirt, ge-narbt, den dafür gebräuchlichen Bezeichnungen „peau d’orange“oder „chair de poule“ entsprechend. Während sich indessenopake Verzierungen auf solchem Grunde ohne Schwierigkeitlierstellen lassen, findet da, wo die Wirkung des Zarten, Durch-sichtigen erzielt werden soll, ein einigermassen complicirtesVerfahren Anwendung: Nachdem die Zeichnung auf dem Gefässentworfen ist, wird der farbige Thon an bestimmten Stellenbis zu einer gewissen Tiefe weggenommen und durch weisseu