Buch 
Illustrirter Katalog der Pariser Weltausstellung von 1878 : unter Mitwirkung zahlreicher Berichterstatter ; herausgegeben von W.H. Uhland
Entstehung
Seite
152
JPEG-Download
 

152

GIOVANNI GATTI, ROM.

In der italienischen Luxusmöbeltisclilerei, in wel-cher sich wie in den Juwelierarbeiten, der Auf-schwung der Kunstindustrie Italiens am augenschein-lichsten offenbart, sind ganz deutlich drei Ilaupt-richtungen zu verfolgen: die Intarsienarbeiten, Holz-schnitzerei und ähnliche plastische Verzierungen,welche beide mit Vorliebe den Renaissancestil sowieklassische Vorbilder verwerthen und die häufig sehr

glänzendsten Vertretern der ersten Kategorie gehörtGiovanni Gatti, Roji, dessen Luxusmöbel von Eben-holz mit Intarsiatur von Elfenbein sowol hinsichtlichder Schönheit des Entwurfs wie der Sorgfalt derArbeit den ersten llatz einnehmen. Eines seinerbrillantesten Ausstellungsobjekte war das hier abge-bildete Kabinet, dessen prächtige Ornamentik derHolzschnitt erkennen lässt. Daneben sahen wir

naemr ."nmnnii,,

...7

vyi^a3*w»i < iii f iiHiiiiiiiiiiiiii|

uiiauuäuin

lillllüuüi

rc# .Mil?

1 1 raLflv ft V >

luimwmim

m

..uninmiHiti

iiuQQBH

bunte, unruhig wirkende moderne Arbeit, die sich der ver- I Rahmen, Kasten, Tische u. dgl. sämmtlicli von Ebenholz, tlieilsschiedensten Materialien und IJecorationsmittel bedient. Zu den | mit Elfenbein- theils mit Pietradura-Intarsien.

Mosaiksteinchen, sogenannte tesserae, zu pressen, aus denenzahllose geradlinige Muster gebildet wurden. Nach einerReihe von Versuchen construirte man eine continuirlich ar-beitende Hebelpresse, deren unregelmässig geformtes Excenterin sinnreicher Weise die sämmtlichen kurz aufeinander folgen-den Bewegungen der einzelnen Maschinenteile bewirkte. Baldmachte sich jedoch ein zwiefacher Mangel fühlbar. Einmalwar das Versetzen der tesserae zu verschiedenen Mustern in-folge ihrer Kleinheit höchst mühsam und zeitraubend, und dannwar man auf eine sehr geringe Auswahl von Farben beschränkt,da bei der angewendeten niedrigen Temperatur nur wenige

Thonarten die erforderliche Härte erhielten. Um dom erstemUebelstand abzuhelfen, schritt man dazu, grössere Stücke desMusters auf gehobelten Eisenplatten, die Oberseite nach unten,zusammenzulegen, in einen Rahmen zu fassen und durch einedarauf gegossene oder gestrichene Masse zu Platten von 25 cm.Seitenlänge zu vereinigen. Die Füllmasse bestand aus Cement,cementähnlichen Verbindungen, Asphalt, Gips etc. In der Folgekam man auf den Gedanken, der noch heute die Grundlageder gesammten Mosaikplattenfabrikation bildet. Das Principeiner scheinbar ganz fernliegenden Industrie, die Trennungder Farben beim Cloisonne-Email, führte darauf, in dem