GIUSEPPE VALEUIO, MAILAND.
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Bei dem duftigen zarten Gewebe der Spitzen, welche alsKleid, Shawl, Schleier oder Verzierung seihst die hochge-stelltesten Fürstinnen schmücken, könnte man sich versucht
gangen, zu denen sich, namentlich in Italien, die Kloster-frauen gesellen, welche indess vorzugsweise Spitzen für kirch-liche Zwecke anfertigen. Auch in diesem reich gesegneten
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fühlen, an ein Werk von Feenhänden zu glauben, so wunder-fein und überaus reizend sind die Arbeiten und zum grossenTheil nach so stilgerechten und schönen Zeichnungen, dass
Lande gehören die Handspitzen vornehmlich der Hausindustriean, und neben der Maschinenspitze behauptet sich die Hand-arbeit noch immer unerreicht. Auch die Ficlius, Decken und
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Muster und Arbeit einander den Hang der Schönheit streitig der Shawl, welche wir hier veranschaulichen, sind in Pointsmachen könnten. Und doch ist der Haupttheil dieser „Feen- ausschliesslich von Handarbeiterinnen angefertigt worden,werke“ aus den Händen schlichter Arbeiterinnen hervorge-
des deutschen Kunsthandwerks zu betrachten. Man staunt überdie wohltliuende Harmonie in diesen Erzeugnissen, über dieReinheit und Naivetät der künstlerischen Auffassung, der dieheutige Industrie auf dem Wege der Absicht und der Specu-lation mit allen wissenschaftlichen und technischen Hülfsmittelnnicht nahe zu kommen vermag.
Im 17. Jahrhundert hob sich in Frankreich die Glasindustriedurch Colbert, der die Fabriken von St.-Gobain schuf.Nachdem in England im Jahre 1673 die Fabrikation des Blei-glases aufgekommen war, fand dieselbe auch in 1'rankreichPflege und Verbreitung. Um 1830 besassen die Krystallglas-fabriken von St. Louis und Baccarat das Monopol, allein
binnen kurzem erstand die Concurrenz namentlich in der Um-gegend von Paris, in Pantin und Clichy, wo das Boraxglaserfunden wurde, das indessen des hohen Preises der Borsäurewegen wenig Aufnahme fand.
Zu Anfang des 18. Jahrhunderts concurrirte das englischeGlas infolge eigenthümlicher Handelsverhältnisse mit demvenetianischen und französischen. Dasselbe ist völlig farblos,von diamantartigem Glanze und hohem Lichtbrechungsver-mögen, schönem, reinem Klang und grosser Elasticität; imgeschnittenen Glase ist England bis jetzt kaum erreicht worden.
Ueber den Standpunkt der Glasindustrie in den verschie-denen Ländern haben die Ausstellungen der letzten Jahrzehnte
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PÄEISEE WELTAUSSTELLUNG. I.