DIE METALLINDUSTRIE.
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Die Metallindustrie.
Die Metallindustrie ist unstreitig dasjenige Gebiet der mensch-lichen Thätigkeit, auf welchem sich Erfindungsgabe und Ge-schicklichkeit, Kraft und Schönheitssinn vorzüglich reich undharmonisch zu entfalten vermögen. Namentlich in den Gold-und Silberarbeiten kommt neben dem technischen das künstle-rische Element zu voller Geltung. Für die Entwickelung derStilformen sind hier fünf Perioden zu unterscheiden: die altori-entalische, die antik-klassische, die mittelalterlich-christliche,welche die byzantinische, die romanische und die gotliischeRichtung umfasst, sodann die Renaissance, die im Barock-und Zopfstil verläuft, und endlich die von mancherlei theilsder Antike, theils der Renaissance, theils dem Rococo oderauch dem Naturalismus entlehnten Bildungen beherrschte Ge-schmacksrichtung der Gegenwart.
Der antike Stil ist in der Neuzeit in Italien durch die inder modernen Goldschmiedekunst hochberühmte Familie derCastellani eingeführt worden und hat von dort aus auch inanderen Ländern Europas Eingang gefunden. Die Art des-selben beruht einmal auf den charakteristischen Formen, welchesich dem Bau der Glieder, die sie zu schmücken haben, an-schmiegen, sodann auf der Einfügung des Filigrans, sei es inFäden, sei es in Körnern, mit denen die gekrümmten Flächensammtartig überdeckt werden, endlich auf der Benutzungfiguraler neben pflanzlichen Ornamenten und in bescheidenemMaasse des Emails. Indessen sind die italienischen Goldschmiedenicht bei der blossen Nachahmung des antiken Schmuckesstehen geblieben. Sie haben die Art desselben auf andere,Italien eigentümlichen Schmuckarbeiten angewendet, wie aufdie geschnittenen Steine und die Mosaikbildchen in römischerManier. Die Goldfassung war hier, wie bei den Juwelierar-beiten, bis dahin ziemlich roh und plump; seitdem man jedochdie antike Fassung mit gedrehten und gekörnten Fäden undandern Motiven auf dieselbe anwendete, hat dieses Genre ausser-ordentlich gewonnen; französische und nordische Goldschmiedesind den italienischen darin nachgefolgt. Gerade in Italien, wosich die Technik des Filigrans im Volksschmuck traditionellam meisten erhalten hatte, war die Wiederaufnahme des antikenFiligrans am ersten möglich; gegenwärtig wird diese Technik,besonders in Turin und Genua, fabrikmässig betrieben. DieArt der spiralförmig gebogenen, an den Ausgangspunkt zurück-laufenden und dort befestigten Fäden ist stets ziemlich diegleiche; die Motive sind nicht sehr zahlreich. Neuerlich hatman nicht ohne Glück versucht, Blätter und Blumen als Filigran-schmuck darzustellen. Das Material ist durchgängig Silber, fürden Schmuck vergoldet, was bei den nordischen Arbeiten nichtder Fall. Auf die griechischen und etruskischen folgten ägyptischeund byzantinische Formen, und bald waren die antiken Motiveüberall eingedrungen, obwol sich andere neben ihnen erhielten.
Der nationale Schmuck ist heute in seiner Technik sehrbeschränkt und bedient sich in den verschiedensten Länderneiner gemeinsamen technischen Decorationsart, des Gold- oderSilberfiligrans. Indessen bestehen auch hier Unterschiede undzwar einerseits in der grösseren oder geringeren Feinheit derArbeit, andererseits in der Zeichnung der Ornamente, obwol auchdiese viele gemeinsame Charakterzüge zeigen. In ersterer Be-ziehung sind die chinesischen und zum Theil die indischen,die malayischen, italienischen und etwa die portugiesischen,in letzterer, um ihrer Originalität willen gleichfalls die chinesi-schen, sodann die italienischen und die norwegischen hervor-zuheben. Zuweilen tritt das Filigran in Verbindung mit Edel-steinen auf, wie in Persien und Turkestan, oder auch mit demEmail, wie in China. Im heutigen Europa erhebt sich in derGoldschmiedekunst kein Staat so hoch über die andern wieIndien über diejenigen Länder, in denen eine nationale Kunstgepflegt wird.
Je mehr sich die Arbeit der eigentlichen Kunst nähert,desto mehr treten die Eigentümlichkeiten der einzelnen Län-der hervor. Allen andern voran stand auf der letzten Weltaus-stellung Japan mit seiner phantasievollen Decoration. DieJapaner und die Chinesen, vorzüglich aber die ersteren, sindbekanntlich unsere Lehrmeis.ter in der Kunst des Cloissonnegewesen, und noch jetzt können ihre Arbeiten in der Schön-heit des Colorits, in der Kühnheit und Freiheit der ZeichnungVorbilder für das europäische Kunstgewerbe sein. Weit wenigernachahmungswerth erscheint uns die vorzüglich bei den Ameri-kanern beliebte Anwendung japanischer Formen, die unsererAnschauungsweise immer fremd gegenüberstehen werden. Inorigineller Weise weicht die japanische Technik darin vonder europäischen ab, dass man das Silber selten in der ihmeigenthümlichen Farbe anwendet, sondern demselben durchleichte Schw T efelbeizen tiefere oder lichtere graue Töne gibt.Während bei uns der malerische Effect durch Vergoldung, Ver-silberung oder Patinirung erstrebt wird, trägt dort hauptsäch-
lich die Legirung zur farbigen Wirkung bei. Wo das Cloisonnezur Flächenverzierung dient, da ist nur allzu oft ein Rück-gang der heutigen Technik zu bemerken. Auch die Japanerunterscheiden zwischen gravirten und mit Draht ausgefülltenVerzierungen und solchen, wo das Edelmetall auf einer mitder Feile gerauhten Fläche fixirt wird, also zwischen Incrus-tirung und Damascirung.
Was das wunderbare Reich der Mitte zur Ausstellungbrachte, genügte, um zu zeigen, dass wir uns einer uraltenTechnik gegenüber befinden, deren traditionellen Umfang undheutigen Werth wir wol zu ahnen, aber nicht zu bestimmenvermögen. Auch hier unterscheiden wir zwischen älterer undneuerer Arbeit und zwar ist der Stil der ersteren dem derletzteren weit überlegen. Klare Hauptlinien und ruhige Detailskennzeichnen denselben im Gegensatz zu den heutigen meistüberladenen und maasslos verschnörkelten Formen. Bei denSilberarbeiten begegnen wir zahlreichen Tafel- und Luxusge-rätlien in europäischem Stil, einige mit Vogel- und andernThierfiguren in Email, auch Arbeiten in Silber und Kokosnuss;am reichlichsten war die echt orientalische Technik des Cloisonneangewendet. Von Juwelierarbeiten fanden wir in Gold oderSilber gefasste Brochen, Ohrgehänge etc. in Elfenbein, Bern-stein oder mit Perlen, Carneolen verziert. Der Schmuck isthalb national, halb europäisch gehalten, theils ciselirt odergravirt, theils in Filigran, als Mittelstück oder UmrahmungTigerklauen oder das geschnitzte und gefärbte Horn aus demSchnabel eines dem Kranich ähnlichen Vogels. Eigenthümlichwirken die Arbeiten in Silberfiligran, die mitten im Filigranmit emaillirten Blumen verziert sind.
In den heutigen Arbeiten Persiens finden wir eine Mischungeinheimischer, arabisch-türkischer, ja selbst indischer und chi-nesischer Elemente. Bei den wenigen Juwelierarbeiten, diefür landesüblichen Schmuck erzeugt werden, kommt im all-gemeinen nicht sowol die geschmackvolle Ausführung als dieGrösse und der Werth der Steine in Betracht. Ausgestelltwaren allerlei kleine Gegenstände, Schmuckkästchen, Cigarren-und Handsohuhkästchen etc. in Silberfiligran. Im Vergleichmit der Vergangenheit hat das persische Kunstgewerbe alleBedeutung verloren.
Die Goldschmiedekunst der Vereinigten Staaten wardurch die Firma Tiffany & Co. in New-York vertreten, dieseit 187(1 einen überraschenden Aufschwung genommen hat undin künstlerischer Beziehung geradezu Wunderbares leistet.Ausser zahlreichen Gebrauchs- und Schmuckgegenständen injapanischen Formen oder auf japanische Weise verziert, stelltesie eine Sammlung vortrefflich gelungener Nachbildungen antikenSchmuckes aus, deren Objecte die feinsten Verzierungen, Bänder-werk und Filigran, zeigten. Interessant war eine Vase, welche diewichtigsten von der Firma angewendeten Techniken vereinigte.Der Fuss derselben zeigte das, was die Amerikaner „repousse“nennen. In Amerika wie in Japan sind hierfür erhabeneBlumen beliebt, die sich über den ganzen Gefässkörper ver-breiten; nur pflegen die Japaner hinreichend Grund zu lassen,während bei den Amerikanern keine leere Fläche bleibt. DerKörper der Vase zeigte die Technik, die man „martele“ nennt.Hier wird die ganze Oberfläche mit Hämmern derartig bear-beitet, dass man die Hammersehläge sieht und die Flächeeinen narbigen Charakter annimmt. Auch hier besteht ;einwesentlicher Unterschied zwischen der amerikanischen und derjapanischen Technik, welche letztere den Grund viel zarter be-handelt. Einzelne Theile der Vase sind mit flachen Blumen vonschöner feurig rother Farbe geschmückt; dieses Decorations-verfahren, „oxide“ genannt, soll wirklich auf der Oxydationeiner Metallmischung beruhen. Was die Amerikaner als „Niello“bezeichnen, sind oberflächliche Verzierungen in Schwarz undKupferroth, die sich ohne scharfe Contouren sehr gut vomSilber abheben, während eine andere Technik, die man „lami-nated“ nennt, durch Ineinanderschlagen verschiedener Metalleentstehen soll und die Stäbchen in regelmässigen scharfen Con-touren erscheinen lässt. Die Firma hatte es verstanden, dieseverschiedenen Processe auch in Verbindung mit gefärbtem Goldund Silber wirken zu lassen.
England zeigte in vielen seiner Arbeiten den Nutzen derreichen Sammlungen des South-Kensington-Museums. Imganzen ist es maassvoller in den Entwürfen und solider in derAusführung als Amerika. Wie für die gesammte englischeKunstindustrie, so insbesondere für die Silberarbeiten, ist dasGemisch von Formen und Stilarten charakteristisch. Währendder französische Geist allem, was er aufnimmt, sein deutlicherkennbares Gepräge aufdrückt und es so in Wahrheit zuseinem Eigenthum macht, bleiben die englischen Arbeitenunvermittelt in ihrer Vielartigkeit. Man erkannte in denTafelaufsätzen, dem Speise- und Theegescliirr, wie im Gold-und Edelsteinschmuck den Reichthum der Nation und den Um-fang der technischen und künstlerischen Aufgaben; man sah
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