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Illustrirter Katalog der Pariser Weltausstellung von 1878 : unter Mitwirkung zahlreicher Berichterstatter ; herausgegeben von W.H. Uhland
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DIE METALLINDUSTRIE.

Griechisches, Aegyptisches, Byzantinisches, Französisches, Chi-nesisches, Japanisches, aber wenig wahrhaft Englisches. DieReformbestrebungen unserer Zeit zu Gunsten der Geschmacks-bildung haben in England ausserordentlich viel Anregung ge-geben, aber noch keineswegs zur Klärung der Ideen geführt;dennoch war der Fortschritt in formeller wie in coloristischerHinsicht nicht zu verkennen, wenngleich noch viele der aus-gestellten Objecte mehr durch die Kostbarkeit des Materialsals durch die Schönheit der Composition überraschten. Un-streitig das Bedeutendste hatte wiederum die Firma Elkington& Co. geleistet. Durch die langjährige Mitwirkung eines derbesten Ciseleure der Gegenwart, Morel - Ladbuii, , ist in denAteliers dieser Firma eine Schulung entstanden, deren Ein-fluss in allen Erzeugnissen derselben zum Ausdruck kommt.Vermögen sie auch nicht den feinen ästhetischen Reiz, das —man möchte sagen coquette — Raffinement eines Christofle zuerreichen, so haben sie dafür den Vorzug der Naivetät undeiner charaktervollen Gediegenheit. Die Gefässe im antikenStil waren vortrefflich ausgeführt, ebenso mehrere neue Ob-jecte mit herrlicher Tauschirung. Die Arbeiten in Email, so-wol Champ-leve als Cloisonne, rivalisiren zum Theil in derFeinheit der Farben und der sorgfältigen Behandlung derZeichnung mit den besten französischen, ja selbst mit denendes Orients. Die Firma Elkington hat bekanntlich das Ver-dienst, die Erfindung der Galvanoplastik, die auf dem Gebieteder Gold- und Silber-, wie der Bronzearbeiten einen so gross-artigen Umschwung hervorbringen sollte, für das Kunstgewerbeangewendet und dadurch zahlreiche Kunstgegenstände, diefrüher allein den Begüterten erreichbar waren, auch in be-scheidene Haushaltungen eingeführt zu haben. Auch die Ar-beiten dieser Art waren mit grösster Sorgfalt ausgeführt.Unter den Juwelieren müssen James Aitchison mit seinen stil-vollen und originellen, mit Perlen und Steinen incrustirtenArbeiten im schottischen Nationalgeschmack, John Brogdenmit seinem stilvollen Schmuck und William Gibson mit seinenFiligranarbeiten in erster Linie genannt werden.

Die wahrhaft grossartige Ausstellung Frankreichs warvorzüglich angeordnet und in hohem Grade lehrreich. Einenihrer schönsten Triumphe hat die französische Goldschmiede-arbeit durch die Wiederbelebung der altitalienischen Kunstin einer ihrer besten Leistungen, der Verbindung des Repoussemit dem Email auf Gold und Silber, gefeiert. Vor allemglänzte der Name Christofle. Diese Firma hat in Frankreich,wie Elkington in England, einen hochwichtigen Industriezweig,die Erzeugung galvanisch versilberten Tafelgeschirrs, ins Daseingerufen und durch die sorgfältige Behandlung der Formenallen Forderungen eines gebildeten Geschmackes genügt. Auchdiesmal sah man eine reiche Auswahl reizend geformter Ge-fässe und Geräthe der verschiedensten Art, an denen fastjede Metalltechnik in höchster Vollkommenheit angebrachtwar. Eine der interessantesten Techniken der Firma sind diegalvanischen Incrustirungen. Das Verfahren besteht in derAetzung der Oberfläche mit Scheidewasser an bestimmten, indem Aetzfirniss, mit welchem das Ganze überzogen ist, aus-gesparten Stellen. In die dadurch hergestellten Vertiefungenwird auf galvanischem Wege Gold oder Silber niedergeschla-gen, das in den Vertiefungen haftet und dieselben ausfüllt.Zuletzt wird die Oberfläche geschliffen, das Grundmetall mitdem Gold oder Silber in gleiche Ebene gebracht und durchOxydirung mit verschiedenen Säuren dem ersteren eine passendeFärbung gegeben. In einigen reizenden Arbeiten von Christoflewar das Cloisonne mit vielem Glück auf Silber übertragen.

Das französische Kunstgewerbe bekundete auch diesmal diewunderbare Geschicklichkeit, mit welcher es andern VölkernFormen und Decorationsarten entlehnt. Mit besonderer Aner-kennung muss hervorgehoben werden, dass die französischeGoldschmiedekunst sich mit Vorliebe guter Vorbilder aus derRenaissancezeit bedient und dass sie die seit Ludwig XVI.entwickelte Technik des farbigen Goldes wesentlich erweitertund verschönert hat. Ueberhaupt weiss sie das künstlerischeMittel der Farbe trefflich zu verwerthen. Es zeigt sich diesin der reichlichen Verwendung von Steinen, sowie in der viel-fachen Verbindung mit Email. Eine Neuerung ist das durch-sichtige Email auf Goldgrund, das in Form von an den Ge-fässen angelötheten Löwenköpfen etc. erscheint.

Die Goldschmiedekunst Italiens erreicht das Höchste inden Schmuckarbeiten, und hier steht sie in der That einzigda. Diese Arbeiten, die aus dem innern ästhetischen Be-dürfniss des italienischen Volkes hervorgegangen sind, habender Kunst trotz aller Zerrissenheit des politischen und socia-len Lebens ihren nationalen Charakter bewahrt. Seine künst-lerischen Speeialitäten hat Italien im Filigran, in den ge-schnittenen Steinen, der Mosaik, den Korallen und steht auchmit seiner eigentlichen Juwelierkunst in erster Linie. Diehöchste Bedeutung für den künstlerischen Fortschritt der

Nation haben die bahnbrechenden Bestrebungen der beidenBrüder Castellani, welche die Tradition ihres Hauses treu be-wahren und auch diesmal Nachbildungen griechischer, etruski-scher und römischer Muster ausgestellt hatten. Von artistischemWerthe waren neben diesen besonders die im römischen Ge-schmack gehaltenen, mit Cameen und Mosaiken verziertenArbeiten Geraldini’s; Hauptaussteller in Filigran waren Fortiund Salvo & Figli.

Die Gold- und Silberarbeiten der österreichischen Ab-theilung lassen deutlich den bildenden Einfluss des Wienerkunstgewerblichen Museums erkennen. Die Goldschmiedekunstim grossem Stil wurde auf der Weltausstellung durch Klin-kosch, Malzenauer, Grünwald ehrenvoll vertreten. Die Mo-delle der silbernen Tafelgefässe und Prunkgeräthe der erst-genannten Firma waren unverkennbar aus Künstlerhand her-vorgegangen; nicht minder vorzüglich war die Technik, nament-lich ist die Ciselirung durch einheimische und fremde Talentein fortschreitender Ausbildung begriffen. Das Filigran wirdin mehreren Theilen Oesterreichs gepflegt, ebenso die Deco-ration des Silbers durch Niello, wie die Collection von Mar-kowitsch & Scheid und ebenso die von Lustig zeigte. Dieerstere Firma hat zugleich das Verdienst, für den Schmuckauf die edeln Formen der Renaissancezeit zurückgegriffen zuhaben. Von Jauner sahen wir eine Cassette mit allegorischenFiguren in Silber, mit Lapis lazuli und Labrador kunstvollverziert. Eine Tasse in getriebenem Silber aus den Ateliersvon Waschmann stellte den Triumphzug von Amor und Psychedar. Bachmann & Co. hatten sehr gefällige Arbeit in China-silber ausgestellt. Höchst beachtenswerth waren noch in die-ser Abtheilung die Imitationen des alten ungarischen Schmuckesmit Steinen, Perlen und Email von durchaus farbiger Wirkung.In Wahrheit ist diese Manier eine Tradition der Renaissance,die besonders von Gebrüder Eger in Pest gepflegt wird.

Die russische Ausstellung zeigte vorherrschend einenabgeschlossenen Charakter. Der kolossale Reichthum Einzel-ner sowie die Prachtliebe der Nation haben die Entstehungund Ausbildung der heute blühenden Goldschmiedekunst inhohem Grade begünstigt und eine Menge goldener und silber-ner Gefässe für den religiösen wie für den profanen Gebrauchgeschaffen. Die kirchliche Kunst Russlands hat in ihren Gefäss-bildungen stets den Faden weltlicher Cultur und Technik fest-gehalten, und eine Fülle auf der alten Cultur beruhender künst-lerischer Elemente besitzt Russland in der interessanten Haus-industrie seiner südöstlichen Provinzen. Im allgemeinen er-innern die Erzeugnisse Moskaus mehr an ältere Vorbilder,während die aus der Gegend von Petersburg mehr den modernenTypus zeigen. Eine seltsame Verkennung des jedem Materialzugewiesenen Formenkreises hat bei dem Streben, einen na-tionalen Kunststil zu schaffen, darauf geführt, die Formen undMotive, wie sie im Holzbau sowie in den bemalten, in Holzausgesägten Ornamenten der nationalen Architektur auftreten,auf die Goldschmiedekunst zu übertragen. So kunstlos die-selben in ihrer geometrischen Art aus geraden Linien mitDurchbrechungen zusammengesetzt erscheinen, so haben sie dochzum mindesten ihr Eigenthümliches ; indessen ist dieser Stil inder Decoration häufig mit Elementen des Naturalismus, des Ro-coco, der Antike gemischt. Ovtschinnikoff in Moskau u. a.hatten viele und zum Theil grossartige Silberarbeiten im National-stil ausgestellt, die das bemalte Holzornament durch farbigesEmail sehr glücklich Wiedergaben, obwol die steifen Formen, diegeradlinigen Contouren, die eckigen Henkel und die bandartigenVerzierungen das künstlerische Auge wenig befriedigen konnten.Byzantinische und asiatische Elemente sind wenig erhalten, undwo sie noch, wie im Silberniello, der sogenannten Tulaarbeit,Vorkommen, da sind sie nahe daran, unter modernen Einflüssenunterzugehen. Sehr nachahmungswerth ist das Streben derrussischen Goldschmiedekunst nach farbiger Wirkung durchreichliche Verwendung von Email, Niello, Glanz- und Matt-vergoldung, abwechselnd mit weissem und oxydirtem Silberund bei den Schmuckarbeiten durch die der Edelsteine. DieTechnik des Cloisonne weicht bei den russischen Arbeiten in-sofern von der gewöhnlichen Weise ab, als die Emailver-zierungen nicht abgeschlift'en werden, um mit ihrer Umgebungin gleicher Fläche zu erscheinen, sondern sich in einer demfünfzehnten Jahrhundert entstammenden Art innerhalb er-habener Filigranfäden vertieft zeigen. Eine in vielen Fällenwohlangebrachte Neuerung besteht darin, dass man das ganzmit Niello ausgefüllte Ornament über die eine vertiefte undmattirte Vergoldung zeigende Fläche hebt. Sazikoff in Peters-burg bekundete den Fortschritt der europäischen Reformbe-wegung in edeln Formen und wirkungsvoller Decoration durchgetriebene, ciselirte und emaillirte Arbeit. Durch Feinheit undFreiheit der Zeichnung wie durch coloristischen Effect warendie Juwelierarbeiten von Tschitsciieleff in Moskau ausgezeich-net, während das naturalistische Genre mit aufgelegten Blumen,