DIE METALLINDUSTRIE.
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Blättern und Zweigen in verschiedenfarbigem Golde durchAdler in Moskau vertreten war. Leider haben die russischenNiellos in den letzten Jahren mehr und mehr an Schönheitund Originalität verloren. Wenn auch der Effect durch dieVerbindung der polirten Schwärze mit dem Silber gut undfein bleibt, so ist doch die Zeichnung meist gröber gehalten.Die Arabesken, die sich in reizenden Verschlingungen über dieblanke Silberfläche vertheilten, weichen den Landschaften,Portraits etc. und der Grund wird vergoldet, wodurch dievornehme Haltung verloren geht.
Dänemark, dessen Kunstgewerbe fast völlig von denantikisirenden Traditionen Thorwaldsen’s beherrscht wird,brachte in der Ausstellung Christesen’s sorgfältig durch-dachte und richtig empfundene Formen und reizend combinirteOrnamente. In den Schmuckarbeiten vereinigten sich natio-nale und moderne Elemente in der Art, dass die altnordischenMotive mit Glück der Gegenwart angepasst waren.
Aehnliclie Bestrebungen traten uns in der norwegischenAbtheilung entgegen. Norwegen gehört zu denjenigen Ländern,wo sich das Silberfiligran seit Jahrhunderten im Bauernschmuckerhalten hat. Es liegt in diesen Arbeiten etwas Ursprüngliches,das wahrhaft erfrischend wirkt. Auch hier fanden wir alsDecorationsmotiv die geschlungenen Bänder altnordischerRunen; nur kamen eine gewisse constructive Festigkeit undsymmetrische Linienführung hinzu, ausserdem aber auch zahl-reiche der nationalen Hausindustrie entnommene Grundformen.Es ist ein Beweis hoher künstlerischer Befähigung, aus denfast verblassten Zügen der letztem den Reiz der ursprünglichenIdee herausgefunden zu haben. Das kunstgewerblicheMuseum in Christiania hatte norwegischen Bauernschmuckausgestellt.
Das reiche Holland schmückt seine Tafel gern mit Silber-geräth, das sich in Form und Verzierung an die französischeArt anlehnt. In erster Reihe standen hier die Arbeiten vonJ. M. van Kempen & Sohn in Voorschoten (Südholland). DieseFabrik, zugleich eine der ersten in Europa für Silbergalvano-plastik, arbeitet in allen Genres. So hoch indessen diese Er-zeugnisse in technischer Beziehung stehen, so waren doch inForm und Decoration mancherlei Ausschreitungen und Ueber-treibungen zu bemerken.
Spanien brachte wundervolle Tauschirungen auf mattemwie glänzendem Grunde, unter anderm grosse Candelaber, diemit Renaissancearabesken in Gold- und Silbertauschirung ganzbedeckt waren.
Portugal, ein Land, in welchem glorreiche Traditionender Metalltechnik bestehen, dem lange Zeit das Gold Afrikasund die Juwelen Indiens und Brasiliens zu Gebote standen,das eine hundertjährige Uebung in der Goldschmiedekunst be-sitzt, hatte sich nur in geringem Maasse an der Ausstellung be-theiligt. Es waren meist Filigranarbeiten, die es brachte, undzwar von vorzüglicher Technik, sowol was die Linienführungals was die Löthung betrifft. Ausgezeichnet waren namentlichdie Kunstleistungen von Cerqcinho in Porto, der altberühmtenStätte für Filigranarbeit, wie für nationalen Schmuck überhaupt.
Am imposantesten hatte in Juwelierarbeiten Indien, amschönsten Italien, am reichsten Frankreich ausgestellt.
Was unsere Zeit auf dem Gebiete der Bronzefabrikation zuleisten vermag, haben die grossartigen monumentalen Schöpf-ungen sowie die Weltausstellungen in reichem Maasse gezeigt.
Die Bronze erschien auf der Pariser Weltausstellung als dasbevorzugte Material der Gegenwart. Ausser Japan hatten be-sonders Frankreich, England und Oesterreich reichverzierteBronzen gesendet. Den romanischen und den gothischen Stilcultivirte England, die Renaissance Oesterreich, dasRococo Frankreich. In 'den technischen Processen zeigtesich die grösste Mannichfaltigkeit. Man sah Bronzen in allenFarben, licht wie Messing, roth wie Kupfer, verzinnt, ver-silbert, vergoldet, vernickelt, mit Email, Niello, Tauschirung,Gravirung, Guillochirung und andern Decorationsarten. In auf-fallendster Weise kam durch die Weltausstellung auch aufdiesem Gebiete der Misgriff zur Erscheinung, dass das europä-ische Kunstgewerbe in dem Streben, die hochentwickelte Tech-nik Ostasiens zu erreichen, blindlings die auf ganz andere Be-dürfnisse und Gewohnheiten berechneten Formen nachahmt.Die Fähigkeit der Bronze, sich mit andern Metallen zu ver-binden, wird nirgends so ausgebeutet wie in Japan. Ueber-raschend wirkte in dieser Ausstellung die verschiedenartigeFärbung der Bronze, wie sie die Japaner sowol durch Legirungals durch nachträgliche Beizung hervorbringen; durch einenVortheil in der Legirung w r ird auch erreicht, dass die technischhöchst gelungenen Gussvasen in den äussersten Details mitsolcher Schärfe und Präcision des Gusses erscheinen. Im all-gemeinen in schön braunen Bronzefarben verschiedener Ab-stufung gehalten, zeigen die Flächen meist Incrustirungen mitGold oder Silber, die auf kleinem Schmuckgeräth oft in drei
oder vier Metallen durchgeführt sind. Eine Eigenthümlichkeitdes japanischen Emails ist das Vorherrschen der grünen Farbein Grund und Dessin, während die Chinesen sich mit Vorliebeder blauen Farbe bedienen. Die letztem besitzen eine beson-dere Gewandtheit im Emailliren grosser Gefässe, doch mussin der Farbenstimmung den japanischen Arbeiten der Vorzuggegeben werden.
China brachte Thierfiguren, Vasen, Statuetten, einzelnesvon seltener Präcision und feinem Bronzeton, zum Theil mitSilber niellirt.
England leistet Vorzügliches in grossartigen Bronzearbeiten.Die Coalbrookdale Company, die den englischen Kunstgussschon auf der ersten Weltausstellung im Jahre 1851 vertrat,war auch 1878 mit künstlerischen Arbeiten (das königlicheWappen von Grossbritannien) erschienen; an den decorativenBestrebungen, wue sie in Frankreich gepflegt werden, nimmtEngland keinen Theil. Es lässt bei seinen Arbeiten für kirch-liche, häusliche oder monumentale Zw'ecke entweder die Roh-bronze, oder vergoldet und malt sie mit kräftigen Farben.
Frankreich brachte in imponirender Menge herrlicheProben seiner Bronzefabrikation, die grossartigsten wie diezierlichsten Objecte mit den verschiedensten Metalldeckungen.In der Kostbarkeit der Objecte konnte sich keine andere Nationmit Frankreich messen; in der Schönheit der Entwürfe zeich-nete sich neben ihm Italien aus; in stilistischer Beziehung da-gegen stand Oesterreich oben an, während England in technischerBeziehung das höchste Lob zuerkannt werden musste. Die ersteStelle unter den französischen Bronzefabrikanten nimmt Barbe-dienne mit seinen das Gebiet der hohen Kunst berührendenErzeugnissen ein.
Bei den Lustres etc. sind die Stilarten Ludwig XVI. und desEmpire vorherrschend und mit grossem malerischen Talentbenutzt. In der schwierigen Technik des Cloisonne hat Bar-bedienne eine Staunenswerthe Vollendung erreicht. Das Be-wunderungswürdigste bleiben aber die Figuren, deren Ciselirungdurch das feine Formenverständniss und die frische Abwechselungausgezeichnet wirkt. In dieser glänzenden Collection sah mandie in verkleinertem Maassstabe ausgeführte Reproduction derbronzenen Thüren Ghiberti’s am Battisterio zu Florenz,die mit ihren reichverzierten Einfassungen und vergoldetenFüllungen einen höchst imposanten Eindruck machten. Dasder Firma eigenthümliche Verfahren der mathematischen Re-production, das von derselben zur Wiedergabe bekannter Meister-werke der Vergangenheit und Gegenwart benutzt wird, bestehtin der Vergrösserung oder Verkleinerung plastischer Gegen-stände in mathematisch genauer Weise mittels einer demStorchschnabel ähnlichen mechanischen Vorrichtung. In derGeschicklichkeit, den sanften Ton der Oberfläche in seinereigenthümlich reizvollen unbestimmten Färbung zu erreichen,kommen die Franzosen, und unter ihnen Barbedienne denJapanern am nächsten. Neben diesem zeigt Servant, der dasEmail mit vielem Glück verwendet, den reinsten Geschmack.Deniere brachte allerlei Geräthe von blendender, aber nichtimmer künstlerischer Wirkung. Ihm folgten Ernest Boyer,dessen antikisirende Arbeiten meist gut und stilvoll sind, wennauch der Effect der Statuen öfters zu theatralisch erscheint;Oppenheimer mit seinen Pendulen im Boule-Genre; Kasselfreres mit reizenden kleinen Luxusmöbeln, in denen die Kunst-tischlerei, die Emailmalerei und die Bronzetechnik gleich Vor-zügliches geleistet haben; Cornu & Co., die ihre Bronzen mitMarmor und algerischem Onyx zu Figuren und Gefässen ver-binden und mit prächtigen Emailverzierungen ausstatten.Bouchon & Co. brachten Kaminvorlagen in guter Form; Houde-bine ist namentlich seiner guten Modelle und schönen gediegenenVorgoldung wegen bemerkenswerth. Hervorzuheben sind nochRaingo freres mit Arbeiten in solidem Geschmack und Pau-trot & Vallon mit wirklich fein ausgeführten Thiergruppen.Maublanc & Co. (ehemals Schlossmacher) haben im Figuralendie schönsten Emailmalereien mit feinem ästhetischen Gefühlangewendet. Man sieht an diesen Werken nicht eine dunkleLinie, welche die Fläche unangenehm unterbricht. In gleicherVollendung findet man bei Barbedienne und vielen anderenFirmen das Champ-leve angewendet. Höchst reizvoll sindauch die in der Weise des Limousiner Emails gehaltenen Ar-beiten. Am genauesten halten sich die von Pottier an ihreV orbilder, während Barbedienne , Deniere u. A. das Limoges-Email in freier Weise verwenden.
Die Bronzefabrikation hat sich in der Imitation durch gal-vanisch bronzirten Zinkguss selbst einen Rivalen herangezogen,dessen Bedeutung nicht unterschätzt w’erden darf. Mit ihrercharakteristischen Gewandtheit haben die Franzosen sich desZinks, das zuerst in Deutschland in Aufnahme kam, bemächtigt,es in seinen Eigenthümlichkeiten studirt, und so sehen wirheute aus ihren Fabriken Werke hervorgehen, die selbst derKenner für Bronzeguss zu halten versucht ist. Das Beste leisteten