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DIE METALLINDUSTRIE.
hier Oppenheimer, Blot & Drouard, Lefevre, Garnier & Lacasse.Der galvanische Ueberzug gestattet, Gold, Silber, Messing ineiner Stärke, die das Poliren aushält, aufzutragen.
Der Bronzeguss Italiens entnimmt seine Vorbilder meistden Kunstschätzen des Landes: So hatte Brun in Turin Imita-tionen und Keproductionen alter Waffen aus der Glanzzeit deritalienischen Erzbildnerkunst ausgestellt, Giuseppe Pellas inFlorenz galvanoplastische Reproductionen gediegener Kunst-werke, darunter einer Schüssel von Benvenuto Cellini.
Das Wenige was Oesterreich brachte, war meist vor-trefflich componirt und musterhaft ausgeführt. Kolbingerstellte Gefässe und Geräthe in getriebener und ciselirter Bronzeaus. Hollenbach hat seine technische Tüchtigkeit wie seinenGeschmack und seine Originalität auf seinen Nachfolger vererbt;Röhlich & Pönninger stellten zwei für die Kuppeln der WienerHofmuseen bestimmte kolossale Figuren, eine von ProfessorHähnel in Dresden modellirte Statue (Raphael Sanzio), Por-traitbüsten, Statuetten, Thiergruppen etc. aus. Was Dzie-dzinski & Hanusch producirt hatten, gehörte durch Gediegenheitund maassvolle Durchbildung, vorzüglich aber durch den mildenFarbenton, zu dem Besten in der ganzen Ausstellung. Bethmannund ebenso Klein zeigten eine eminente Technik. Chadt, derAltmeister der österreichischen Emailtechnik, imponirte durchseine Emailbilder (Rudolph von Habsburg); Ludwig Böhm brachteals Specialität niellirte Bronze.
Von den Erzeugnissen anderer Länder heben wir nur her-vor: die galvanoplastischen sowie die Bronzearbeiten Däne-marks, bronzene Beschläge und Thürgriffe aus den Ver-einigten Staaten, die in reicher Musterung, oft emaillirt,zuweilen vernickelt, ebenso zweckmässig als schön waren, so-wie Figuren und Büsten aus Belgien, die allerdings hinterden französischen zurückstanden.
Die Bronzefabrikation Russlands hat sich bisher nochwenig über das Niveau der Mittelmässigkeit erhoben und lehntsich meist direct an französische Vorbilder an, während dieArbeiten der südlichen und östlichen Provinzen den orientali-schen zuzuzählen sind.
Das Messing, welches, nachdem es zwei Jahrzehnte lang nurniederen Zwecken gedient, allmählich wieder künstlerische Be-deutung gewinnt, erschien auf der Weltausstellung in herrlichenProben aus zwei weit voneinander entfernten Ländern, Indienund Belgien; letzteres brachte getriebene Schüsseln in derArt des sechzehnten Jahrhunderts, mit wenigen Verzierungen,nur hier und da mit von innen vertieften Contouren, die wieGravirung erschienen. Die indischen Gefässe zeigten originelle,dem Material entsprechende Formen, in der Fläche ein reiches,pflanzliches oder auch figurales Ornament, gravirt, getriebenoder eingeschnitten. Die Messingarbeiten aus Russland,Persien, Annam, China, Japan waren im Charakter vonden vorigen wenig verschieden; England hatte geschmack-voll decorirte Bettgestelle in Eisen und Messing ausgestellt.Britanniametall, Nickel und andere Legirungen traten nur sel-ten und untergeordnet zu künstlerischen Zwecken ein.
Das Kupfer ist nächst dem Gold und dem Silber das demMenschen am frühesten bekannt gewordene Metall; diegriechische ivie die römische Kunst verwendete es in reichemMaasse zu Bildsäulen, Schmuckgegenständen etc. In der Re-naissancezeit fand das schmiegsame Kupferblech, das sichzum Treiben, Pressen, Schmieden eignet, die sorgfältigste Be-handlung. Von den Künstlern der Gegenwart wird das Kupfermehr und mehr in den Bereich ihrer Thätigkeit gezogen. Manfängt bereits an, kleine Prunkgefässe aus Kupfer zu treiben;man verwendet dasselbe als Ueberzug und erhebt es dadurchzum schmückenden Stoff. In der französischen Abtheilunghatte Eugene Bagues allerlei Gegenstände für Zimmerdecorationin getriebenem Kupfer ausgestellt, und die in getriebener Ar-beit ausgezeichnete Firma Mondüit, Gaget, Gauthier & Co.brachte Statuen, Vasen, Fensterverkleidungen etc. in Bleiund Kupfer.
Sehr dürftig steht es um die künstlerische Verwendung desZinks i» seiner natürlichen Erscheinung. Zwar waren, kleinereObjecte von Frankreich und Belgien und einige Vasen inmaurischem Stil von Spanien ausgestellt, doch ist dies nurein sehr kleiner Bruchtheil dessen, was in diesem Metall ge-leistet werden könnte.
Das Blei ist noch immer ein vom Kunstgewerbe vernach-lässigtes Material. England brachte einige bescheidene Pro-
ben, während Frankreich in diesem Sinne die reichste undinteressanteste Ausstellung hatte. Lebensgrosse Figuren, Men-schen- und Thiergestalten gaben durch ihre Modellirung sowiedurch den weichen Ton und den matten Glanz des Metalls dasbeste Zeugniss für die künstlerische Verwendbarkeit desselben.
Das Zinn, einst das beliebteste Material für Tischgeräth,hat einerseits dem Glas, andererseits dem Porzellan weichenmüssen. Die Gefässe, zu denen es jetzt noch gebildet wird,entbehren einer schönen Profilirung und ornamentaler Behand-lung, und doch bieten die Museen in den herrlichen gothischenZunftkrügen und Humpen, den mit eingepressten Mustern undfiguralen Darstellungen verzierten Zinntellern der Renaissance-zeit so viele Vorbilder zur Veredlung dieser Industrie.
Auch das Eisen, das nützlichste aller Metalle, hat sich dieKunst dienstbar gemacht. An den Waffen pflegte die Metall-technik früherer Zeiten ihre schönsten Decorationsarten an-zubringen. Heute sind es vor allem die Länder des Orients,insbesondere Indien und Persien, im Abendlande Spanien, dieKunstarbeiten auf diesem Gebiete aufweiseu. Stahlschmuckwird in den meisten Culturländern, oft in künstlerisch schönerForm und mit stilvoller Composition erzeugt. Zwei ihremWesen nach durchaus verschiedene Processe in der Behandlungdes Eisens sind das Giessen und das Schmieden. Unsere Zeithat das Verdienst, Hammer und Ambos wieder zu Ehren ge-bracht zu haben, und ebenso hat heute die künstlerische Ver-wendung des Gusseisens durch den Fortschritt der Fabri-kationsweise und die reiche Auswahl der dem Kunstgewerbegebotenen Vorbilder eine hohe Bedeutung gewonnen. Die herr-lichen Stücke, die jetzt in den verschiedenen Ländern in Eisen-guss erzeugt werden, beweisen die Fähigkeit dieses Materials,ebensowol Kraft als Zierlichkeit wiederzugeben. Form, Compo-sition und Ausführung erscheinen hier in der That wie aus einemGuss; die zartesten Flachornamente sind fein und sorgfältigbehandelt, die Contouren vollkommen scharf und klar.
Das Giessen könnte man die Technik des Westens nennen,da die umfangreichen Gussarbeiten der Vereinigten Staatenvon keinem andern Lande übertroffen werden. Was die Orna-mentirung betrifft, die durch beide Processe angestrebt wird,so stehen die besten Feingussarbeiten Frankreichs hinterden besten Schmiedearbeiten Oesterreichs zurück. Beson-deres Lob erhielten auf der Weltausstellung selbst von denEngländern, denen doch ein weltberühmtes Material zu Ge-bote steht, die geschmiedeten Gitter, Candelaber, Thürbe-schläge etc. von Albert Milde und Ludwig Wilhelm inWien. Im Treiben der Ornamente sind Wiener Fabriken aus-gezeichnet. Bei einem Leuchter von Milde war die Tauschi-rung sehr gut durchgeführt. Eine Anzahl reizender Objectemit gravirten Verzierungen galten für wahre Triumphe derTechnik. Geschmeidler, Scheler, Wolf & Co. zeigten, wasOesterreich in der deeorativen Behandlung des Schmiedeeisenszu leisten vermag. Die Firma Wagner stellte zwei gusseiserneCandelaber in griechischer Renaissance aus. Was in geschmie-deten Arbeiten von Frankreich und England vorhanden war,erschien neben den Beiträgen Oesterreichs unbedeutend. Da-gegen waren gegossene Arbeiten sowie Arbeiten in Stahl ingrosser Anzahl und guter Ausführung von Amerika, England,Frankreich eingesendet worden, von denen jedoch nur diefranzösischen (Ketten, Ilrochen etc.) künstlerischen Werthhatten. Die Firma Durenne hatte Kunstgüsse in Eisen, Statuen,Gruppen, Vasen, Fontänen etc. ausgestellt.
Im allgemeinen lehrte das Auftreten der Metallindustrieauf der Weltausstellung, dass immer mehr gute, correcte Zeich-nungen zur Ausführung kommen, dass manche vergesseneTechnik an Originalen studirt und sorgfältig nachgeahmt wird,dass die Stilrichtungen sich vermehren, dass wir aber trotzaller Bemühungen die technische Fertigkeit des Orients nochnicht erreicht haben und dass wir mit aller Kraft weiter strebenmüssen, um den Vorbildern nahe zu kommen, die uns in denGewerbemuseen aufbewahrt sind. Vor allem haben wir zulernen, ein noch grösseres Maass technischen Fleisses undkünstlerischen Ideenreichthums auf die Gebrauchsgegenständezu wenden, ohne deshalb die eigentlichen Kunstobjecte alsbereits vollkommen aus den Augen zu setzen, und dass jedesKunstgewerbe sich seine eigenen Künstler heranbilden muss,die das Material, seine Eigenschaften und Fähigkeiten genaukennen und mit ihrem Erfindungstalent den höchsten Aufgabengewachsen sind.