Band 
Zweyter Theil.
Seite
58
JPEG-Download
 

58 Gestalt der Lrde.

um noch an den Himmel grenzte, im Mittelpunkteder sie umgebenden hohlen Himmels-kugel schwebe.

Diogenes LaertiuS e) behauptet, daß der Schü-ler des Thales, nemlich AnaHmander (geb. in demdritten Jahr der 42. Olymp.) berühmt um die 50.Olymp. gest. in der 53. Olym.) zuerst die Erde alseine Kugel vorgestellt und sie zum Mittelpunkte derWelt gemacht habe; Plutarch aber, der ihm diesesabspricht t), wie auch Galenus und OrigeneS erzäh-len : AnaHmander habe sich die Erde als eine kurzerunde Säule mit einer platten bewohnten Oberflä-che und mit einer platten Unterfläche, die jener ent-gegen stand, vorgestellt. Diese Tiefe der Erde dach-te er sich wie 2)3 ihrer Breite und behauptete,daß diese Säule, durch ihren gleichen Abstand vomUmfange der Himmelskugel, in der Mitte dersel-ben frey durch sich selbst schwebe k). Sein vorzüglich-stes Verdienst bestand also darin, daß er die Erdesammt ihrem Ocean zuerst von den Grenzen des Him-mels absonderte und dieselbe durch sich selbst frey inder Mitte der hohlen Himmclskugel schweben ließ.

AnaHmenes, ein Schüler und Nachfolger deSAnaximander, dachte sich die Erde wie eine rundeTischplatte, die vermöge ihrer Breite die untere dickeLuft der hohlen Himmelskugel zusammendrücke undso von derselben getragen werde i).

Heraclitus, der in der 6y. Olympiade oder umZ 484 berühmt war, glaubte, daß das Wasser voneiner solchen flachen Scheibe nothwendig abfliessenmüsse; da aber dieses bey der Erde nicht geschehe:so müsse sie in der Mitte tief und ausgehöhlt seyn,daher er sie mit einem hohlen Kahne verglich