Kirchenmelodien. 107.
In Gallien suchte schon Pipin die Einführung desgregorianischen Gesangs zu befördern, und der PabstStephan III., der um 75z nach Gallien floh, warihm dazu behülflich. Glücklicher war aber Karl derGrosse hierinn.
Die Figuralmusik, oder die Kunfl, mit vier Sing-stimmen, nemlich Discank, Alt, Tenor und Baß zucomponiren, erfand der Engländer Dunflanus in seinerJugend, der nachher Erzbischof von Canterbury wur-de. Er war im Jahr 909 geboren und starb 988 e).
Zu Luthers Zeit wurde die alte Melodie der Hym-nen verbessert und zugleich ganz neue Melodien hin-zugesetzt an welchen letzter» vorzüglich die damals le-benden und bey Luther» in grossem Ansehen stehendensächsischen Gcsangmeister, Conrad Rupf und JohannWalter, den größten Antheil hatten. Lucas Lossiusgab sie hernach sehr richtig und genau heraus, woraufsie in allen evangelischen Kirchen angenommen t) undbis auf das Jahr 1600 beybehalten wurden, wo dernürnbergische Tvnkünstler, Johann Leonhard Häßler,(ch 1612 ) den Grund zu den jetzigen leichteren Melo-dien der Kirchenlieder legte g).
s) Juvencl de CnrlencaS G«fch. der schön- Wiffensch.öl'ers. von I. E. Kappe, 1749. 1. Tb- r.Abschn. 21.K.§) Z89. b> lVlaimboukg ttiü. stu?antik. sts 3 . 6rsgor.x. °) Allgem. bist- Lep. Letpz. 1709. IV. x, 6zr.
st) I. V. L. I'ietenleureri I^ntiguit. 6erman. I>b. IV.r. r. Z. 8 p-285. e) Untvcrsallex. VII. g. >624. k) ?rse-toiil L^ntagm blustc. p. 447. x) Kleine Thron. Nürnrtergs- All. >790. S- 76.