Band 
Dritter Theil.
Seite
225
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Kryptographie. 22z

die solche doch nicht erfahren sollten, oder sie wurdenvon den Feinden aufgefangen, die ihnen das Bekennt-niß der Auftrage durch Quaalen und unter Bedro-hung deS Todes abdrängen. Man sahe sich dahergenökhiget, seine Gedanken entfernten Personen schrift-lich mitzutheilen. War aber die Schrift in verständ-lichen Zeichen und in einer bekannten Sprache ge-schrieben: so war sie wieder vielen Gefahren unter-worfen, denn sie konnte gleich gelesen und verstan-den werden, wenn sie durch Zufall den Feinden indie Hände fiel, oder wenn der Briefträger untreuwar, das Schreiben öffnete und dessen Inhalt ver-rieth. Man findet auch schon in allen SchriftstellernVorschriften, wie man Briefe geschickt öffnen, wäch-serne Siegel erwärmen und mit einem Pfcrdehaarabsägen, wie man Pettschafte mit gebranntem Gyp-se und einer Auflösung von Hausenblase oder einemAmalgama von Quecksilber nachmachen soll; dahermußte man auch schon in alten Zeiten darauf den-ken, sich statt der gewöhnlichen Buchstaben und Wor-te andere willkührlicher Zeichen, Zahlen und Figurenzu bedienen, woraus die Kryptographie entstand.

Die älteste geheime Schrift, von der man Nach-richt hat, ist die hieroglyphische Schrift der Egyp-tier, die nur ihnen Priestern verständlich war undvon welcher unter dem Worte Schreibckunst nähereNachricht gegeben werden soll.

Auch die Juden hatten eine verborgene Schrift,die aus 22 Alphabethen bestand, wo die Buchstabenzwar in ihrer natürlichen Ordnung auf einander folg-ten, aber darin abwichen, daß das zweyte Alvha-BulH. Handb. d. Erf z. Thl, P