Fasten. 287
mit dem v. Luther für eine feine äußerliche Zucht hak«ten, die ihren sehr guten Nutzen hat, und ihren Mär-terer wider manche gefährliche oder beschwerliche Zufällebeschützet. Bey einer recht genauen und regelmäßige»Diät aber ist diese Gewohnheit wenigstens in medicini-scher Absicht unnütz; und daher findet man unter denBauern nicht viel Leute, die sich ein solches Gelübdezur Last legen sollten. Bey ihrer schweren Arbeit wür-de ihnen auch in der That das Fasten sehr beschwerlichseyn, und der Magen würde wider solche AndachtSÜbun-gen vieles einzuwenden haben. Müßigen Leuten hin«gegen, die sich dadurch am meisten schwächen, weil sieihre Kräfte nicht verbrauchen, kann ein Fasttag, wennsie auch zu ihrem Verdrusse jedesmahl starken Appetithaben sollten, dennoch wenig schaben; und sie überhe-ben sich dadurch manchen kleinen Zufall, der ihnen dochgroß genug scheinen würde, den Arzt darum rufen z»laßen. Nur müssen sich solche Leute wohl vorsehen,daß sie sich nicht den Abend oder den folgenden Tag, .we-gen ihres Gelübdes, allzu sehr schadlos zu halten suchen,und sich nach der Fasten desto stärker wieder sättigen.Man kann sich nie leichter zu viel thun, als wenn maneinem Triebe, dem man eine Zeitlang mit Gewalt wi-derstanden hat, auf einmahl völlig wieder Genüge thut,indem er unter solchen Umständen allem bi aueillwer«send ist. Das Gelübde erfordert ohne dem, daß mandem Leibe einen Tag seine gewöhnliche Nuyrung entzie-hen soll; allein, es wird alsdenn gebrochen, wenn manden folgenden Tag für den vorigen mit ißt, und demLeibe eine doppelte Portion biethet. Man kann dieseskeine Fasten, sondern nur einen Aufschub der Mahlzeitnennen.
Eine zuweilen wiederhohleEnthaltung vom Es-sen ist insonderheit Personen anzupreisen, die einengroßen Ueberfiuß an Säften haben, und vollblütigzumahl wenn selbige entweder nie zur Ader geias-
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