592
Gothische Lettern.
Vom gothischen Giebel, siehe eb. das. S. 4°f‘In der Sprache der Mahler nennt man gothisch^' oder barbarische Manier, Fr. Mani^re gothiq 116 ’eine Manier, welche keine Regeln kennt, bis zum tl^faßlichen überladen ist, und viel seltsam Künstliche»,aber nichts Edles liefert; die Art zu zeichnen, die >»Figuren herrschte, ehe die Kunst, durch das Studiumder Natur und des Antiken geleitet, am Ende des iS te £Jahrhunderts wieder hergestellt worden. Die Mäh'ler vor diesem Zeitpuncte zeichneten «ach einem Jbeabwelches nicht, wie das Ideal der Griechen, eine erh^hete sondern eine in Proportion und Bewegung ^dorbene Natur war. Ueber die natürlichen Verhalt'niste verlängerte Glieder mit steifen, oder sehr gezis^ten, Stellungen und Bewegungen, von denen man"der Natur nichte ähnliches sieht, sind characteristi!^Züge der gothischen Zeichnung. Man sieht deutlichedaß die gothischen? Mahler nach bloßem GutdünkenFiguren gezeichnet haben, die zwar alle Glieder demenschlichen Körpers hatten, wobey aber der Zeichn^ganz unbesorgt war, ob sie die wahre Gestalt, dieway'ren Verhältnisse und die Wendungen der Nmur habtoder nicht. °
Es scheint also überhaupt, daß der gothische GesihmaMangel des Nachdenkens über das, was man zu ma«)ehat, entsteht. Der Künstler, der nicht genau überlegt,das Werk, welches er ausführt, eigentlich seyn soll, und w>cgebildet werden müsse, um gerade das zu seyn, wird leicht 8,khisch. Eben Dieser Mangel des Nachdenkens unterhalt »a»jetzt den gotbifthen Geschmack in den Verzierungen, wenn w"sie ohne alle Rücklicht auf.die Natur des zu verzierenden 'kes anbringt. Gothisch ist der in Form eines Thieres gq#"",tene Baum, die wie eine Schnecke gewundene Säule, der»einem hohe« und sehr dünnen Fuß stehende Becher; und w" ,sehr viele nach einem völlig willkührlichen Geschmack ausgegcGerätschaften. _
Gothische Lettern, oder gothische Schrift, Fr« ^ractSts gothique, oder E'criture gothique, neuntem ^