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Donau-Bulgarien und der Balkan : historisch-geographisch-ethnographische Reisestudien aus den Jahren 1860-1879 / von F. Kanitz
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VOM OIOPSU ÜEBER DEN TETF.VEN-1SAT.KAN

oder Concurrenten, der ihren seit Jahren schwungvoll betriebenen Antiquitäten-handel mit reisenden Agenten aus Russland, Oesterreich u. s. w. stören könnte.Das 1868 von der Pforte erlassene Verbot aller Ausgrabungen und die officielleNöthigung, selbst zufällige Funde den Autoritäten abzugeben, was viele Umständ-lichkeiten bei wenig Gewinn brachte, mochte die übertriebene Geheimthuereider Leute mit verschulden. Auf alle meine Fragen nach Alterthümern erhielt ichauch zu Gigen mit Achselzucken verneinende Antworten oder ein verschmitztesWer weiss es! Man wusste nichts von nahen Ruinenstätten, obschon jedesHaus Hunderte von römischen Ziegelsteinen und im Geheimen gewiss auchBronzen, Münzen u. s. w. barg. Glücklicherweise fand ich im Zaptie-Öaus desDorfes einen verständigen und für Baksis nicht unempfänglichen Türken. Unterseiner Führung besuchte ich den Kirchhof, in dessen Wänden ich eine weiblicheMarmorstatue mit dem Rücken nach aussen (!) eingemauert sah; ferner einenVotivstein, auf dem nur der Name eines Veteranen Plotus (Plautus) der Leg. II.zu erkennen war, in einem Bauerngehöfte lag ein den Oberkörper eines Mannesdarstellendes Reliefstück; überall traf ich unzählige grosse römische Deckplatten,Heizröhren, Ziegel, Mosaikreste, Kupfermünzen u. s. w.

Als die Hitze etwas nachgelassen hatte, stiegen wir gegen 5 Uhr zu Pferdeund V 2 St. darauf stand ich auf jenen grossartigen Resten von Kaiser TrajansColonia Ulpia Oescus, welche zuerst uns vom Grafen Marsigli (1717) signalisirtwurden. Während meine Begleitung in der benachbarten isolirten Mehane sichgütlich that, kletterte ich umher und versuchte einen Ueberblick der römischenNiederlassung zu gewinnen. Ihr Umfang erschien weit grösser, als ich erwartethatte. Ich war geradezu überrascht von der Ausdehnung der Ruinenstätte undandrerseits entsetzt über die gründliche Zerstörung, welche die prächtige Römer-stadt der Erde beinahe gleich gemacht. Nur was diese deckte, entging derVerschleppung, aber auch nur theilweise, denn für die wiederholte Durchwühlungdes Bodens sprachen unzählige Gruben und künstliche Erhöhungen. In Wahrheitbildete Gigen seit 15 Jahrhunderten einen magnetischen Anziehungspunkt fürStein- und Schatzgräber aller jener Völker, welche an der Donau landeten unddort vorübergehend oder dauernd ihre Stätte aufschlugen. Einige nahe Tumulisind Alles, was sie selbst schufen. Spät, sehr spät, erst im J. 1870, gefiel esder türkischen Behörde ein Blockhaus zum Schutze der classischen Ruinenstätteauf ihrem höchsten Punkte anzusiedeln, und seitdem blieben Ausgrabungen dortstreng verboten.

Bekanntlich war Oescus einer jener einheimischen Orte am gleichnamigenFlusse, den die Römer, als sie Mösien eroberten, bereits vorfanden und dervon Ptolemäus, wahrscheinlich um dessen thrakisch- barbarischen Ursprunganzudeuten, dasOescus der Triballcr genannt wurde. Der Colonie wurden