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Donau-Bulgarien und der Balkan : historisch-geographisch-ethnographische Reisestudien aus den Jahren 1860-1879 / von F. Kanitz
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UND DAS VID-OEUlläT ZU1I DONAU.

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städtische Rechte verliehen und dem entsprechend wird Oescus auch von derPeut. Tafel durch zwei Thttrme charakterisirt. Seine von der Tafel mit XXXIMill. angegebene Entfernung von Augusta an der Ogostmündung stimmt, in derLuftlinie gerechnet, vollkommen mit jener auf meiner Karte, zieht man jedochdie Krümmungen der Strasse in Betracht, so erscheint das Itin. Ant. im Rechte,welches zwischen beiden Punkten 36 Millien rechnet. Diesem ltinerarium und derNot. Imp. zufolge lag in Oescus der Stab der V. Legion. Dies ist richtig, dennich selbst habe auf dem Terrain Ziegel der macedonischen Legion (L V MOES)neben andern mit dem Stempel LEG I ITAL gefunden.

Bei Oescus soll Constantin eine hölzerne Brücke geschlagen haben, auf wel-cher er gegen die dacisclien Gothen zog. Auf Grundlage der alten Quellen undgestützt auf Marsiglis Mittheilung von Brückenpfeilern in der Nähe der Isker-mündung, erwähnte dies bereits Männert. Von dem lebhaften Streite, welcherseitdem zwischen den Historikern über die Standorte der Trajansclien und Con-stantinschen Donau-Brücken geführt wurde, sprach ich ausführlich in meinemSerbien. Und wieder bemächtigten sich in Folge meiner objectiven Darstellungeinige jüngere Forscher dieses Gegenstandes, ohne jedoch grössere Klarheit indenselben zu bringen. Ich halte aber heute noch aufrecht, was ich 1868 aus diesemAnlasse äusserte*):Es ist misslich, aus der Studirstube, aus hunderte Meilenweiter Entfernung, einzig auf Grund verschiedener, sich widersprechender Unter-lagen derartige Fragen souverän entscheiden zu wollen, und dass es in diesemFalle um so weniger möglich sei, als Uber das Terrain und die angeblichen Be-festigungen bei Gieli (Öelei) nur die allervagsteu Andeutungen vorliegen.

Ich bedauere andrerseits lebhaft, dass ich meine an derselben Stelle aus-gesprochene Hoffnung nicht verwirklichen konnte, die Nachrichten, welche GrafMarsigli im Vorbeischiffen Uber die Römerbrücke nahe am Isker erhielt, durchauthentische Aufnahmen zu ersetzen. Der Wasserstand der Donau war nämlichbei meinem Besuche viel zu hoch, als dass ich Forschungen in dieser Richtungmit günstigem Erfolge hätte unternehmen können. Was ich erfuhr, bestätigetaber jedenfalls die von Herrn Aschbach u. A. so sehr bezweifelte Existenz einerzweiten römischen steinernen Pfeilerbrücke über die Donau. Sie stand allerdingsnicht bei Vadin, wie man dem Gf. Marsigli mittheilte**), sondern 2 1 / 4 Meilenöstlicher und zwar etwa 5 Kilom. N. vom bulgarischen Gigen, wo das CastellPalatiolum das Südende der Brücke deckte, und nahe dem rumänischen öelei»wo Gf. Marsigli bereits die Ruinen eines Römerwerkes bemerkt hatte. DasBrückenkopf-Castell Palatiolum***) war noch unter Maurikios (582 602) ein

*) Serbien, S. 352.

**) Danub. Tom. II. 38.

***) Jirecek, die Hecrstr. v. Belgr. n. Const. S. 159.

Uanitz, Donau-Bulgarien und der Balkan. II.

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