Band 
Vierzigster Theil, von Kleid bis Klo.
Seite
494
JPEG-Download
 

494

Klima.

Aller Wahrscheinlichkeit nach, trägt diese Gleich.-güliigkeitder Sitten an ihrem Theile sehr viel dazu bey,baß die Regierungs-Form in heißen Landern sich im-mer gleich bleibt, und beyde sind durch lange Gewohn-heit so innig niit einander verbunden, daß sie sich wirk-lich wechselseitig aufrecht erhalten. Neue Sitten undGebräuche würden eine Menge neuer Begriffe, und zu-gleich eine Prüfung vieler Staks - Grundsätze undMeinungen, auf welche die Regierungs-Form sichgründet, veranlassen.

Die wichtigste Ursache dieser Veränderlichkeit derSitten ist indessen vielleicht die Einschränkung, in wel-cher das weibliche Geschlecht in heißen Erdstrichen lebt,und die daraus folgende Ausschließung desselben von je-dem Einstusse auf das gesellschaftliche Leben. In an-dern Ländern, wo der Umgang beyder Geschlechter miteinander keinem solchen Zwange unterworfen ist, wirddas Verlangen des Frauenzimmers zu gefallen, und derWunsch der Männer, jenen durch Gefälligkeit gegenihre Neugier und veränderliche Launen, Vergnügen zumachen, eine Ursache beständiger Veränderungen inSitten und äusserlichem Betragen.

Das äußerliche Betragen nordischer Völkerscheint, mit dem in heißen Ländern üblichen verglichen,rauh und ungeschliffen zu seyn. Die Art, wie sie An-dere aufnehmen, ist insgemein plump und unhöflich, undihr geselliger Umgang wird von Vorschriften einer ab-gemessenen Formalität wenig eingeschränkt. Ueberdießzeichnen sie sich durch Mangel an äusserlichem Anstandund Artigkeit aus, welches man theils ihrem unempfind-lichen, kühnen, trotzigen Character, und der Ange-wöhnung an heftige Leibes-Uebungen, theils der ge-ringen Achtung, in welcher das schöne Geschlecht beyihnen steht, zuschreiben muß.

So sind auch die Sitten in kalten Ländern weitweniger dauerhaft und einförinig, als in heißen. In

einem