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14 (1820) Australien / [Hrsg.: Theophil Friedrich Ehrmann; Friedrich Ludwig Lindner]
Entstehung
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371
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Neu - Seeland.

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Gesicht, in der That, ein abscheuliches Ansehen bekommt.Diese Linien sind übrigens gleichförmig und auf beidenSeilen des Gesichts symmetrisch gezogen, Ihre Einbil.dungskraft ist so fruchtbar in Erfindung neuer Muster, daßunter Hunderten, bei genauer Besichtigung, nicht zweivöllig gleich befunden wurden. Es ist merkwürdig, daßder H ntere, den die Einwohner in Drahiti am mebre-sten mit dergleichen Zieralhcn überladen, von den Neu->Secläkidern gemeiniglich ganz nngezeichnet gelassen wird.Sie begnügen sich indeß nicht bloß mit diesen eing-fchlch-1e» Zeichen, sondern bemalen den Leiboch mit Berqroth,welches sie entweder trocken einrciben, oder mit Oel ver-mischt i» großen Flecken aufzuschmieren pflegen.

Ihre Kleidung zeigt auf den ersten Blick den rohen,wilden Zustand, worin sie sich befinden. Aus den Blat-tern einer Art von Schwertlilie machen sie eine grobe,zottige Matte, welche ihre gewöhnlichste Tracht ist. Diedaraus verfertigten Kleider bestehen aus zwei Stücken»deren eins um die Schultern geschlagen, das andere umden Unterleib gewunden wird. Da6 erste, welches vornoffen ist, reicht bis an die Knie; das andere hingegen bei-nahe bis auf die Erde herab. Einige, welche Anführervder Oberherrcn zu seyn schienen, trugen ein Stück Hun-defest um die Schulter. Im Ganzen ist diese Bekleidungdoch nur eine halbe Nacktheit, und würde bei un§ fürunanständig gelten.

Die anderen Bewohner der Südseeinseln pflegen dieVorhaut des männlichen Gliedes aufzuschneiden, damit dieEichelnichk davon bedeckt werde: die Neu-Seeländer hin-gegen ziehen ste über die Eichel zusammen, und binden,damit ste nicht zurücktreten könne, um das äußere Endeein Band, welches sie am Gürtel tragen. Die Eichel schiender einzige Theildes Leibes zu seyn, den sie mit schamhaf-ter Sorgfalt beständig bedeckt zu erhallen suchten: denn