Leben--Art.
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Von dem guten Ton ist der feine Ton, den manauch feine Lebens-Art, Urbanität, zu nennen pflegt,verschieden, obgleich diese Worte, so wie das WortHöflichkeit, eine noch unbestimmtere Bedeutung Ha-ben. Durch jenen, den guten Ton, erwecken wirsittliches Wohlwollen, wir gewinnen das Herz; durchLiese schmeicheln wir auch dem Sinne des Schönen.Man hat uns nicht allein gern bey sich; man schautuns auch mit Vergnügen an. Kurz, der feine Tonist die Form, die Hülle, wodurch das Gute, Wohl-thuende in unserm geselligen Betragen nun auch zurSchönheit, zum Wohlgefälligen wird.
Unstreitig liegt bey allen den Formen, denen wirdie Auswechselung von Gefälligkeits- und Achtungs-Bezeigungen im gemeinen Leben unterworfen haben,ursprünglich das Gefühl und die Absicht zum Grunde,den Werth desjenigen was wir mittheilen, durch dieArt wie es dargebothen wird, noch zu erhöhen. Daßwir uns dabey durch Nachahmung und stillschwei-gende Annahme der Gesetze, welche ein wegen seinergeselligen Talente allgemein geschaßtes Volk, die Fran-zosen, über die feine Lebens - Art festgesetzt hatte, lei-ten lassen, das ist nicht zu laugnen; aber daß wir ihreGesetze angenommen haben, und daß wir in ihrer Be-folgung einen Vorzug suchen, dabey liegt die jedemMenschen angeborne Neigung, das Gute zu verschö-nern, unter. Es scheint auch nothwendiger gewesenzu seyn, daß man in demjenigen, was für gut undschön im geselligen Umgänge gehalten werden sollte,einer allgemeinen Bestimmung folgte, als in jeder an-dern Kunst, die zum Vergnügen der Menschen abzielt.Die Kunst mit Menschen, wäre es auch nur zur Un-terhaltung, umzugehen, ist diejenige, dieamausge-breitetsten gebraucht, und gleichsam zum Bedürfnißwird. Da nun nicht alle Menschen eine gleiche Fähig-keit haben, das Gute und Schöne auszufinden, und