Lebhaft. 533
In allen diesen Fällen ist lebhaft dem todt entgegengesetzt, weil es, wie aus der ersten Bedeutung erhellet,eigentlich lebcnvig bezeichnete.
Daher die Eebhasrigkeic, §. ^lacrirss, Vivaci-ras; Fr. Vivacia, die Eigenschaft eines Dinges, daes lebhaft ist, in allen Bedeutungen des vorigenWortes. Insonderheit wirdLebhaftigkeitauchvo»glänzenden, stolzen, sthimmernden und nicht gequäl-ten Farben gesagt. Die auf ein Mahl gemahlten Bil-der haben daher, wenn der Ton ihrer Farben gut ist,eine bewundernswürdige Lebhaftigkeit.
In den schönen Rünstcn, wird das Wort leb-haft oft und in mancherley Bedeutungen gebraucht,die allemahl eine gute Eigenschaft anzeigen. Lebhaftist, was viel Leben hat; das Leben aber besteht über-haupt in einer innern oder eigenthümlichen wirken-den Kraft der Dinge. Aber es scheint, daß nichtdie Größe, sondern die schnelle Aeusserung dieserKraft drn Nahmen der Lebhaftigkeit bekomme. Esgiebt Menschen von kalter Sinnes - Art, die mit aus-nehmend starker, und doch gelassener Kraft wirken,aber deswegen nicht unter die Lebhaften gezählt werden.Also scheint der Begriff des Lebhaften etwas Schnell-wirkendes, oder einen geringen Grad des Feurigen,anzuzeigen.
Lebhafte Farben sind helle Farben, die zugleich dasAuge stark rühren, und etwas Glänzendes haben.Lebhaft in der Mustk, und in dem Tone der Rede,ist das, was stark und zugleich schnell vorgetragenwird. Lebhaft ist der Geist, der schnell faßt, und da-bey schnell von einem Begriffe auf den andern kommt;aber diese Schnelligkeit, ohne Deutlichkeit der Vor-stellung, scheint bloß Flüchtigkeit zn seyn. Lebhaftist das Gemüth, welches stark, aber zugleich schnellempfindet, und eben so schnell von einer Empfindung