Lecker-Brisen. 619
den Folgen die wir vor Augen sehen, so wüßten wirkeine von so weit ausgebreitetem Einfluß, als die Be-friedigung des Gaumens. Die eigenthümliche Be-schaffenheit verschiedener Gattungen organiflrter Kör-per, das Verhältniß ihrer Menge und Anzahl gegeneinander, und mit demselben das äufferliche Ansehender Natur, ist durch diese mächtige Triebfeder mensch-licher Handlungen verändertworden. Ohne der Vieh-Zucht und des Feldbaues zu erwähnen, weil sie sichnur in wenigen Fällen auf die Leckerey beziehen, istschon die Jagd, bey gesitteten Völkern, so wie dieZucht des zahmen Geflügels, die Bienenzucht, undder Anbau der Frucht - Bäume aller Art, an sich eineFolge der Verfeinerung jenes Sinnes. Allein, welchekünstliche Metamorphosen gehen nicht mit den Thierenund Pflanzen selbst vor, um sie für den Genuß einerüppigen Zunge zu zubereiten! Dringtnichtdas Mes-ser in die Eingeweide unserer Hühner, um sie zu Ka-paunen lind Poularden zu verstümmeln? Verstehtnicht der Srcilianer, und bey uns der Jude, diegrausame Kunst, den Gänsen eine ungeheure Leberwachsen zu machen? Und wer zählt die endlosenVarietäten unsers Obstes, deren jede an Größe,Zeitigung und Geschmack verschieden »st, und die alleursprünglich von einigen wilden Stammen mit herben,kaum eßbaren Früchten abgeleitet sind? Wie vieleandere Pflanzen-Gattungen hat nicht ihr Anbau ver-drängt, und wie manche Thier-Gattung ist nicht ineinigen Ländern ausgerottet worden, damit Rehe undHasen für uns allein übrig blieben! Doch wie soll-ten die Menschen auch die Wölfe und Füchse verscho-nen, da sie um eines Lecker-Bissens willen im Standesind einander aufzuopfern! Wir haben zwar keinenrömischen Poüio mehr, der seine Muränen mit Scla-ven fütterte, damit sie ihm desto köstlicher schmeckten;hingegen treiben nur Yen Neger-Handel, um ein Par
Lecker-