72 Hermann und Marbod.
Zwar wurde Hermann von denjenigen ermordet, dieer befreyt hatte; aber Marbod war deßhalb nicht bes-ser daran, Tiber hatte seiner nicht vergessen. Er um-wand ihn mir den Künsten, die das Ziel meist schnel-ler , unblutiger und gewisser herbeyführen, als der offe-ne Krieg, der zuletzt immer noch übrig bleibr.
In den Zeiten seiner Herrlichkeit , hatte Mar-bod einen jungen Fürsten, Gothwald (romanisirt,Ea-tualda) vertrieben und den Römern in die Arme ge-schleudert. Tiber hieß ihn nun unter den Markoman-nen ausstreuen, Marbod unterhandle insgeheim mitRom um die Unterwerfung. Darob wendete Mißtrau-en alle Gemüther von ihm und Catualda rückte kauman, als schon die Mehrzahl ihm beyfiel und rief: ersolle Konig seyn ! — Marbod wurde überwunden, ver-rathen, verlassen, seine Konigsburg geplündert. Erzu den Römern ssüchtig ! Sie setzten ihn, wie früherden pannonischen Dato, nach Ravenna und reichtenihm dort achtzehn Jahre lang, köstliche Speise undTrank und immerfort, die niemahls ernsthaft gemein-te Hoffnung seiner Wiedereinsetzung.
Catualdas Stunde schlug schnell. — Was eran Marbod gerächt, königliche Uberpracht und Ver-ständniß mit Rom, überboth er selbst. Die Hermun-duren vertrieben ihn unter ihrem Herzoge Vibill. Aucher floh zu den Römern und ließ sich von ihnen zuForum Julium im narbonneusischen Gallien zu Todefüttern.
Den Marbod und Gothwald begleiteten viele Ge-treue ins glänzende Elend. Aber die Römer ließen sie