22 Wiederherstellung der norisch-
Befehlshaber in Jllyrien, ihn noch an den Ufern desRheines wähnend, mißtraute den unbestimmten dumpfe»Gerüchten, ward beym Recognoseiren aufgehoben undvorJulian gebracht, dem der ganz Verwirrte, die Un-klugheic zu Gemüthe führte, sich mit einer Handvoll Ta-pferer inmitten seiner Feinde zu wagen: „Behalte dieseWeisheit der Furcht für Constantius, deinen Herrn!"(erwiederte Julian) „Als ich dir meinen Purpur zuküssen gab; empsing ich keinen Rarhgeber, son-dern einen Flehenden!" — Julian machte des Con-stantius Verhandlungen mit den Barbaren öffentlichkund, der Welt den Schiedspruch anheimstellend, zwi-schen dem Augustus, der die Barbaren ins Herz desReichesgerufen und zwischen demjenigen, der siesieghaft hinausgesch lagen!? — „Ehredoch, wirbitten dich, den Urheber deines Glückes ," rief ihm da-rum der römische Senat zu, bey welchem er, in sei-nem widernatürlichen Streben, todten Forme» Lebeneinzuhauchen, wie in der alten Zeit, den Kaisertirelnachgesucht hatte. —Julian wurde allgemein erkannt.
So wie Constantius die a r i a n i s ch c Irr-lehre aufs enrschiedendste begünstigte, so schwur der,unstreitig durch Privattugenden glänzende Julian,das Christenthum vollends ab, opferte den Göttern,öffnete die Tempel, trachtete nach Verschmelzung christ-licher Gebrauche mit dem Götzendienst, both vergeblichdie gesunkene Kunst auf, dem Spott, die Ver-achtung. — Den erhebenden Hoffnungen des Chri-stenthumes entsagend, höhlte er Weiffagungen derZukunft aus den Eingeweiden von Menschen undThieren, und wie er in Mesopotamien die todtliche