B o n fin' s Gemählde von Wien. Zg
«erden, legen sie sich die schönsten und jüngsten Mäd-chen bey, die bald Witwen werden und dann ihreLiebhaber heirakhen. Die Ehelcute können einandernach ihrem Gefallen durch Schenkung unter Lebendi-gen oder durch letztwillige Anordnung betreuen, sey einun erworbenes oder angefallenes Gut. Auf Pfänderleihen, gilt für keinen Wucher. Das beym Dieb ge-troffene, gestohlene Gut gehört dem Stadtrichter, derden Bann hat über die Verbrecher. Das peinlicheGericht ist sehr grausam. Die zum Feuertode Ver-dammten kommen lebendig auf den Scheiterhaufenund iverden langsam ein Raub der Flammen. — Eswird hier ungeheuer viel Geld verdient, aber Allesgeht wieder darauf, auf die Tafel, auf den Putz,auf schöne Bauten. Die Weiber handeln gleich denMännern und besuchen ohne Errörhen alle Plätze desHandels und Wandels. — W i e n s' g a n z e s G e-bieth ist e i n u n g e h e u r e r, h e r r l i ch e r Gar-ten, mit schönen Rebenhügeln und Obstgärten be-krönt. An diesen liegen anmuthreiche, lustige Vor-berge, geziert mit den lieblichsten Landhäusern, ge-schniückt mit Fischteichen, Jagdbarkeit, Häusern undGärten, mit jedem Bedürfniß, mit jedem Genussedes Lebens. Die nahe» Bergeshöhen erfreuen desWanderers Auge unbeschreiblich durch die Menge vonBurgen und Edelsitzen, von Dörfern und blühendenOrtschaften. Betritt man das Gelände zwischen Neu-stadt und Wien, um welche eine große Ebene sich brei-tet, würde man diese Gegend an Freundlichkeit undAbwechslung leicht jeder andern vorziehen und,