5o Wiens 2. Belagerung durch Mathias.
gemeinen Verwüstung auch nicht gering in dem volker-wimmelnden Heerlager. Die Urgarn fast nie richtigbezahlt, meist nur auf die Beute vertröstet, ließenden König bitten, Friede mit dem Kaiser zu machen,oder die Belagerung aufzuheben. Er aber, in dessenSiegeskrone gerade der edelste Stein nicht fehlen durf-te , antwortete ihnen mit Hohnlachen: „zwey haus-geseffcne Bürger, seyen mit ihm einverstanden undwürden ihm die Stadt bald überliefern." Auf die Fra-ge um ihren Nahmen, auf die Warnung, Verrathernsey doch nie volles Vertrauen zu schenken, erwieder-te Mathias: „der eine nenne sich Hunger, der an-dere Zwietracht." — Doch ward ihm selbst dieZeit lange und er schritt jetzt zu offener Gewalt, rück-te mit Sturmzeug wider die Landstraße, erstieg denWall, brach den Verhau, nahm das feste Kloster derNikvlaerinnen, drang bis zur steinernen Brücke amSrubenthor. Die Vorstadt und unzählige Landhäusersahen die Wiener in der folgenden Nacht in Flammen.Zugleich hatten die klngarn den Werd gestürmt undan mehreren Stellen wider die Stadtmauern selbst,wüthenden, wiewohl vergeblichen Anlauf gethan! —Indem sah man in den Fleischbänken der Stadt nurmehr Pferdefleisch. Hunde, Katzen und Mäuse wurdendas tägliche Brot der Dürftigen. Alles schrie nach Un-terhandlung und Übergabe. Des Kaisers alte Feindeerhoben mächtig ihre Häupter. Mathias- selbst, ausseinen zahlreichen Anhang kühn, wagte sich, unter,dein Schutz einer kurzen Waffenruhe, als Wagnervermummt, in die Stadt und sprach einige Häupter