8o
nach des Mathias Hintritt.
Spuren der Pest. Es entstand das Hospital für armeStudenten vor dem Stubenthor. — Im folgenden Jah-re fraß eine bösartige Seuche das meiste Vieh auf Fel-dern und Wiesen und selbst das Wild in den Wil-dern, siel ihrer Wuth. — Weit finsterer aber schwangein neues gräßliches Ungethüm die schwarzen Fittigeüber das gesammte Europa, den Alten inniitten ihrertrunkensten Ausschweifungen unbekannt, sehr aus fer-nen Zonen so urplötzlich, so wuthvoll herübergerra-gen, wie einst durch Sturmesrasen, jene unermeß-lichen Heuschreckenwolken. Es erregte größeres Entse-tzen als die Pest und muß sich anfangs, ganz widerseine nachmahlige Natur, gleich einer Lufransteckungfortgepflanzt haben, da es in ungeheurer Schnelligkeitunter verschiedenen Altern und unter beyden Geschlech-tern so um sich griff, daß alle Chroniken, darunterauch jene von Melk, seiner, als „des Würgengelsaus der Offenbarung Johannis" gedenken, „der dendritten Theil todten werde vom gesammtcn Menschen-geschlecht!" — Anfangs verließ Alles die Kranken.Der Aberglaube begrub sogar Einige lebendig, alsVerfluchte, welche Gott gezeichnet. Aber bald drangdie Seuche aus den Hütren in die herrlichsten Pallästeund Putzgemächer, ja selbst bis auf die Thronen underzwäng genaue Beobachtung und sorgfältige Pflege.Zwischen den Lehrern der Heilkunde war über ihreNatur und Behandlung solch' erbitterter Streit, daßunter andern die Leipziger Lehrer und Srudenccn sichtrennten und aus jenem alcen Musenstb zwey neueZweige Hervortrieben, die Hochschule von Frankfurt