164 Carl V. und Ferdinand I.
einzige Recht in den Waffen war, musste derGrundbesitz aufhören, der einzige Reichthum zu seyn.Das Geld gab stehende Truppen und entschied Alles,der dritte Stand, dem das Gold im Handel zuflog,stieg, die Fürstenmacht sank, der Adel fand oft nurals Bürger, in Städten, Sicherheit und Wiederauf-kommen.— In Spanien, in Frankreich, in Englandhatten drey sich vielfach ähnliche Herren, Ferdinandder Katholische, Ludwig XI., Heinrich VII. vollstän-digen Sieg der Konigsmacht über die Grossen errungen,dagegen hatten in Deutschland, die Fürsten , Unabhän-gigkeit von der Kaisermacht usurpirt, die schon ein Schat-tenbild war, ehe noch die Kurfürsten Carln V. die ersteWahlcapitulation vorgeschrieben. Wer aber nun auchimmer in diesem Streit um 'Herrschaft und Geld dieOberhand gewonnen harte, dem schien es unerträg-lich, daß ein fremder und ferner, nur durch die Zdeegewaltiger Fürst, der Papst zu Rom, mit in ih<'emLand zu befehlen haben solle!? Noch weit mehr verdroßsie, die große Masse geistlichen Guts, ein mächtigerFels wider gleichmacherische Umwälzung, am meisten,daß, während sie weit geringere Summen von ihrenUnterthanen nicht aufzubringen vermochten, kraft derWiener und Aschaffenburger Coucordaten, so viel Geldnach Rom floß! (nach K. Marens Klage aus Deutsch-land allein über fünfmahlhunberltausend Ducaten jähr-lich.) — Der Verfall der Kirchenzuchr, die aufge-blasne Unwissenheit, die gänzliche Verkennnng der we-sentlichen Grundlagen und der heiligsten Pflichren ih-res Standes unter der Mehrzahl der Geistlichen, war