Carl V. und Ferdinand I. 169
nichtzu laugnen. Darum hatten die Angriffe von W i-clisfe und Huß, solch ungeheure Popularität. Manerröthet, zu lesen, wie hierüber zu Coustanz und Ba-sel von den edelsten Kirchenvatern gedonnert wordenist. Die Italiener, sich Alles erlaubend, was keineReligion, /a nicht die gesunde Vernunft billigen konn-te , verlachten geringschätzig den barbarischen Norden,im eiteln Wahn, ihn fort und fort durch bloße For-meln, durch veraltete Übungen und durch Schreck-nisse niederzuhalten, über die sie selber in Wort,Schrift und That spotteten. Sie waren dadurch nichtgewarnt, daß zu Constanz und zu Basel, ihr Unwe-sen, der ganzen gesitteten Welt ein Ärgernis;, so hül-lenbar hingestellt ward. Es ist betrübend, in den al-ten Acren Österreichs und Wiens zu lesen, wie diePfarren und geistlichen Pfründen, mit beynahe gänz-licher Vergessenheit ihrer ursprünglichen heiligen Zwe-cke für Seclsorge und Unterricht, für Erziehung undVolksbildung, zu schwelgerischen Vcrsorgungsanstal-ten herabgesunken, wie in den Schulen leidenschaftli-cher Sekrengeist, dialectische Spitzfindigkeit unb eingedankenleeres Schach von Formen und Formeln, alleGröße, Schönheit und Gemeinnützigkeit verdrängthatte, wie die Naturwissenschaft, beynahe nur zurBefriedigung launenhafter Lüste diente, Astrologieund Alchymie und die ganz ordentlich und öffentlich ge-lehrte „schwarze Kunst", dem verwegensten Betrug unddem schädlichsten Aberglauben, Thüre und Thore öff-neten und bis ins Innerste jedes Familienlebens dran-gen. Der Reichthum zu Wien war übergroß, das Sit-