Der große Suleyman vor Wien. 2 oi
und Ehre, drohte mit der seidenen Schnur. Alleschwuren beym Bart des Propheten, sich der schön-sten Tage seines Waffenruhmes würdig zu zeigen.
In der Stadt kannte man genau die Lage desfeindlichen Heeresund fühlte: es gelte Morgendas Lebte. — Geistlich und Weltlich, Mann undWeib, Kind und Greis legte unverdroßen Hand andie Arbeit. — Am 14. Oct. um 8 Uhr früh rücktendie Paschen mit dem Kern der Janitschareil in meh-reren Treffen, dahinter in angemessenen Zwischen-räumen die Reiterey, zum Sturm an. Der erste Wi-derstand erneuerte die alte Muthlostgkeit. Sie rann-ten lieber in die Säbel ihrer Hauptleute, in dieSpieße ihrer Reiterey, in ihr eigenes Geschütz, alsnoch einmahl die verderbnißvollen Mauern hinan.
Es war eine echt homerische Episode dieser, ei-nen solchen Born standhaften Heldenmuthes aufde-ckenden Stunden, daß oben auf der Bresche, einD e u c s ch e r und ein Portugiese, in des Strei-tes Hitze über den Vorrang ihrer Nation, mit.einan-der duellirten; als aber eben ein neuer Anlauf ge-schah, von einander abließen und der Deutsche denJanirscharen, der seinen Roßschweif auf den Wallgepflanzt, in den Graben schleuderte und mehrereUngläubige ihm rasch nachsendete. Endlich bekam derDeutsche einen Hieb, daß ihm Schild und Arm mit-einander wegfielen, worauf der Portugiese ihm zuHülfe kam, aber auch von einem Pfeil in den rechtenArm verwundet, den Degen fallen ließ und verlorenwar, haue nicht der Deutsche mit dem noch übrigenArm, den Janitscharen niedergestoßen! So stritten