D i e große Pest. 2^9
feil , die Ihrigen waren gestorben und so ereilte sieder Tod in der gräßlichsten Verlassenheit, ohne Nah-rung und Pflege. Viele Ärzte, viele Geistlichen, be-sonders Kapuziner und Augustiner wurden Opfer ihrerMenschenliebe. In dein allgemeinen Schrecken hatteder Stadtrath selbst so wenig vollständige Kenntnißdes Übels, basier befahl, alle Häuser zu sperren, da-raus nur drey Personen gestorben seyen. Darnach hät-ten i„ der Stadt nicht zwanzig Häuser offen bleibensonnen. Im Umkreise der alten Mieden waren nichtsiebzig gesunde Hausgenossen zu finden, das Srar-hembergische FreyhauS allein hatte über dreyhundert4-odte. — Im November wagte man es zwar nicht,denKathrinenmarkt in der Stadt abzuhalten,wohlaber den Wochenmarkt zwischen dem Stuben- und^ärnthnerthor. — Stadt und Vorstädte wurden nochenger pallisadirt und mit Wachen bestellt, damit die"°ch ungeprüfren Einheimischen nicht hinaus undfremde nicht herein konnten. — Seltsam, daß gleich"ach dieser langen Schreckenszeit,. eine solche Lcbens-wieder unter die Menschen kam, daß schon am^oihnachrstage, nur allein im Stephansdom, 95)Paa-le getraut wurden. Auf der Donau schwammen ausReich ganze Colonien Ansiedler auf einmahl^eunter und in anderthalb Jahren hätte derEssende keine Spur mehr von jener schrecklichen^tafruthe des Himmels finden können!
Die Dreyfaltigkeitssäule am Graben ist ein Ge-"öbedenkmahl dieser Tage. Wir reden ausführlicher^ ihr in den Denkwürdigkeiten.