196 Die Schlacht des Entsatzes.
kehrt/ todtliche Ungewißheit über die Starke/ übetdie Zeit, ja über die Möglichkeit des Entsatzes hat-te alle Gemüther zu Boden gedrückt. Die gerechte-sten Hoffnungen, die bestimmtesten Z u-s i ch e r ung e n , hatten seit neun S chre-ck e n s w 0 ch c n getauscht.
Nun durfte auch der Ungläubigste nimmermehrzweifeln. Auf dem Gemäuer an der Spitze des Leo-poldsbcrges, flatterte deutlich (Kara Mustaphas Blut-fahne herausfordernd), eine große rothe Fahne, mitdem weißen Zeichen des Kreuzes, in ÖsterreichsFarben, erinnernd an den blutigen Waffenrock undweißgebliebenen Querstreif eines andern Helden, Leo-polds des Tugendhaften vor Ptolomais! — Bevor dieNacht gänzlich hereinbrach, sah man noch auf den Bcr-geshohen die Bewegungen des christlichen Heeres undTausende von Feuerzeichen schimmerten, als eben soviele Hoffuungssterne durch die letzte Nacht der Un-ruhe und der Qual. Ein Augenblick trug die Freuden-post von Mund zu Mund. Ein Augenblick verkehrtedie afkgemeinc Verzweiflung in lauten Jubel. Freun-de und Feinde umarmten sich in heißen Thränen, inzitternder Freude. Die einen rannten in die Kirchendem Himmel zu danken, andere auf die Sammelplä-tze, jetzt schon mit Ungestüm einen Ausfall begehrend,viele (der immerfort tobenden feindlichen Kugeln undBomben ganz unbekümmert) auf die Zinnen der Häu-ser , auf die Thürme bey den Schotten, beyM a r i a st i e g e n.