2oo Die Schlacht des Entsatzes.
Als mit dem ersten festlichen Strahl der Mor-gensonne des i2. Sept., eines Sonntags, das ganzeKahlengebirge gleich Birnans Walde widerMacbeths Dunsinan sich regte und bewegte,weithin von Waffen schimmernd, vom kriegerischenMuth, Geschrey und Getose erdröhnend, wich aufeinmahl der rohe Trotz, wich der Dunkel des llber-muthes. Kara Mustapha warf sich zur Erde, zer-raufte Haar und Bart, fluchte dem Tage seiner Ge-burt. Den Paschen von Diarbekir und Ofen wahrtedas elende Spiel zu lange. Trotz des strengen Ge-genbefehls drangen sie in sein Zelt und nöthigten ihn,sich an.die Spitze der Janitscharen zu stellen.
Den Grimm, den er jetzt nicht am Freund,nicht am Feind auslasten durfte, zu kühlen, den ge-sunkenen Muth aufzustacheln und heiß nach Blutedürstend, ließ er die meisten Christensclaven seinesLagers, Greise, Weiber und Kinder nicht ausge-nommen, bey 5 o,ooo an der Zahl, unmenschlich nie-derhauen, nahm die heilige Fahne des Propheten,vertraute Osman Oglu Pascha den rechten Flügelbey Nußdorf, dem Pascha von Großwardein, Ibra-him , den linken Flügel von Herrn als gegenDornbach. Er selbst blieb im Mittelpuncte, derKiihaja Bey aber in den Laufgräben, ei» mörderi-sches Feuer und die Minenangriffe beharrlich, jedochvergebens fortsetzend.
Im Entsatzesheer zeigte sich wenigstens an demgemeinen Mann und an den Officieren ein Geist,solchen Tages würdig. Niemand gedachte der Nässe,