Frau zugleich eiueu Mann. Die Ursachen, die unsere Frauennotund insbesondere die zunehmende Ehelosigkeit verschulden, wachsenalso lawinenartig an. Und noch mehr! Indem die billigereFrauenarbeit aus Gebieten, von denen sie bisher ausgeschlossenwar, der Münnerarbeit Konkurrenz macht, verdoppeln sich alleSchäden, die ohnehin das freie Spiel der Kräfte im heutigenWirtschaftsleben hervorruft. Die Entartung des freien Wett-bewerbes in einen wilden Kampf ums Dasein, machtreißende Fortschritte. Dem Manne, der durch seine Berufs-arbeit zugleich eine Familie ernähren soll, wird der Erwerb ver-kümmert. In manchem Berufszweige, in dem heute noch derBerdienst des Mannes ausreicht, wird es vielleicht bald dahinkomme», daß auch die verheiratete Frau einen besonderen Berufergreifen muß, damit nur die Familie leben kaun. So breitet sichunaufhaltsam die Krankheit aus, die den socialen Körper zerfrißt.
Angesichts solcher Gefahren für das Leben desGanzen müssen die Wünsche verstummen, denen die augen-blickliche Lage so vieler weiblicher Eiuzcllcbcu einenSchein von Berechtigung verleiht. In die öffentliche Berufs-ordnung, die sich auf unsere Universitätseinrichtuugeu gründet, darfnicht Bresche gelegt werden. Die Mäunerberufe, zu denen die vierFakultäten vorbereiten, müssen Mäunerberufe bleiben. Ob danebenauf einzelnen außerhalb meines eigenen Fachs liegenden Gebieteneine Erweiterung des Frauenberufs erstrebenswert und ausführbarund hierfür eine akademische Frauenbilduug erforderlich ist, darüberenthalte ich mich des Urteils. Allein vom allgemeinen Standpunkte aus glaube ich dafür eintreten zu müssen, daß, insoweitdiese Frage bejaht wird, die Ausgestaltung des Frauenberufs imSinne einer besonderen weiblichen Bcrufsart erfolge und schon ausdiesem Grunde die Vorbereitung hierzu nicht auf den Universitäten,sondern auf besonderen Anstalten stattfinde. So mag eine neueLaufbahn für Frauen auf medizinischem Gebiet geschaffen, eS mageine Einrichtung für die wissenschaftliche Vorbildung von Fraueu-und Kinderärztinnen mit begrenztem Wirkungskreise getroffenwerden. Das mag geschehen oder nicht geschehen, mir fehlt dieSachkunde, um ein Für oder Wider zu begründen. Wohl aberhalte ich mich auch als Laie in der Medizin für berechtigt und