für die Universitätsstudien vorbereitet werden sollten.Denn erstens ist die Borbildung der letzteren leider durchaus nichtmustergültig, wie ich in Übereinstimmung mit vielen meiner Kollegenbehaupten muß.*) Und zweitens würde die Gesundheit der Mädchendurch eine solche Dressur allzusehr gefährdet werden.
Ich glaube aber, d aß die Bildung, welche die Mädchenauf einer gute», sog. höheren Töchterschule empfangen,durch einen zweckmäßig eingerichteten, sich an jene an-schließenden, etwa 2 —3jährigen Kursus so ergänzt werdenkönnte, daß sie zum medizinischen Studium befähigtwürden. Wie ein solcher Kurs einzurichten wäre, will ich hiernicht weiter auseinandersetzen. Ebensowenig gehe ich auf dieFragen ein, welche Reformen in der Vorbereitung zum Universitüts-studium überhaupt notwendig als Folgen jener von mir als möglichhingestellten Ausbildung der Mädchen für das Studium sich er-geben müßten.
Daß der gleichzeitige Besuch medizinischer Vorlesungendurch Studierende beider Geschlechter ohne alle Nachteilemöglich ist, halte ich nach den Erfahrungen an Universitätenmit gemischter Zuhörerschaft für ausgemacht.
Wenn ich also nach dem Gesagten die Zulassung ver Frauenzum Studium der Medizin für möglich und sogar für geboten er-achte, so würde ich doch, falls ich im einzelnen Falle (von einerMutter z. B. für ihre Tochter) um Rat gefragt würde, in der Regelabraten. Die Ausübung des ärztlichen Berufs, welche dochals Folge des medizinischen Studiums in Betracht kommt, istmit Schwierigkeiten verbunden, an denen Frauen öfter undleichter scheitern werden als Männer. Von den wenigenÄrztinnen abgesehen, welche etwa als Fraucnürztinnen und Geburts-helferinnen oder (was wohl noch seltener sein wird) als Leitennnenvon Abteilungen in Krankenhäusern einen befriedigende» Wirkungs-kreis finden werden, wird den meisten von denen, welche etwa nachFreigebung des medizinischen Studiums sich diesem Beruf widmensollten, sehr viel Enttäuschung nicht erspart bleiben. Nur solche,
Ich habe mich hierüber ausführlich in zwei Aufsätze» im PädagogischenArchiv ausgesprochen und bin in meinen Ansichten durch meine seitdem ge-machten Erfahrungen nur noch mehr bestärkt worden.