Unter diesen waren einige, die sich eine über das Durchschuittsmaßhinausgehende Bildung angeeignet hatten und in einzelnen theoretischenGebieten auch selbständige Leistungen auszuweisen hatten. Ichvermag aber nicht zu beurteilen, inwieweit dieses Ergebnis derbesonderen persönlichen Begabung dieser einzelnen zuzuschreiben seiund wie sich etwa der Prozentsatz solcher hervorragend begabterFrauen stellen würde, salls dem weiblichen Geschlecht der Zutrittzu den medizinischen Studien ebenso frei stände, wie dem männlichen.Wie die Sachen jetzt stehen, ist es ja wahrscheinlich, das; dieMehrzahl der Frauen, welche allen Hindernissen zum Trotz Medizinstudieren, eine besondere Zuneigung und vielleicht auch eine be-sondere Begabung für das Fach haben.
Rein theoretisch aus der Größe des Gehirns u. s. w.ein Urteil abzugeben, ob überhaupt ein Unterschied inder Begabung der Geschlechter bestehe, halte ich fürwissenschaftlich ganz und gar unzulässig. Dazu wissenwir viel zu wenig von den anatomischen Grundlagendessen, was man als „Begabung" zusammenfaßt. Wennman aber den Frauen auf Grund der Erfahrungen im täglichenLeben die Befähigung zu wissenschaftlicher Thätigkeit überhaupt,sowie jegliche logische Schürfe n. s. w. absprechen null, so frage ich1. wieviel Männer besitzen denn diese Eigenschaften und 2. wiewürden sich die Verhältnisse gestalten, wenn die Vorbereitung derMädchen zu wissenschaftlichen Studien seit Jahrhunderten ernstlichversucht worden wäre?
Daß der Staat die von ihm unterhaltenen höheren Lehr-anstalten dem weiblichen Geschlecht verschließt, ist, wie ichglaube, ungerecht. Was auf Kosten des ganzen Volkes erhaltenwird, müßte auch jedem Gliede der Gemeinschaft offen stehen. Daaber für das Universitätsstudium und das medizinische insbesonderegewisse Vorbedingungen gefordert werden, so müßten gerechterWeise dieselben Anforderungen an Mädchen und Frauen gestelltwerden, welche die Zulassung zum Studium verlangen.
Ich würde es aber geradezu für ein nationales Un-glück halten, wenn infolge einer solchen Anschauungetwa Mädchcngymuasien errichtet und die Mädchen vom9. bis 18. Jahre in derselben Weise wie jetzt die Knaben