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Die akademische Frau : Gutachten hervorragender Universitätsprofessoren, Frauenlehrer und Schriftsteller über die Befähigung der Frau zum wissenschaftlichen Studium und Berufe / hrsg. von Arthur Kirchhoff
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Pros. vr. mtzä. von Rindfleisch,

Direktor des pathologischen Instituts der Universität

N?ürrbuvg.

Ich habe nur verhältnismäßig wenig Erfahrung in derFrauenfrage. Doch kann ich von den Eindrücken berichten, welchedie ersten weiblichen Studenten in Zürich (Anfang der sechzigerJahre) auf mich und andere Kollegen gemacht haben. Es wurdedamals vom Erziehungsrat den einzelnen Professoren überlassen,ob sie eine gewisse Nadejda Suslowa in ihr Kolleg zulassen wolltenoder nicht. Dieselbe hatte in Petersburg die Borprüfung mit Aus-zeichnung gemacht und stand geradevormeincn Semestern. Jchgab ihr dieErlaubnis, das Kollegium über pathologische Anatomie zu besuchenund führte sie persönlich mit einer angemessenen Anrede an dieStudenten in das Auditorium ein. Sie war in ihrem Auftretenso bescheiden, daß niemand den geringsten Anlaß zu Klagen hatte,dabei überaus fleißig, bei der Herstellung mikroskopischerPräparate sehr geschickt; ihre Fragen und Antwortenverrieten ein vollkommenes Verständnis dessen, woraufes ankam. Mit dieser Schülerin war ich also sehr zu-frieden. Sie hat später einen Augenarzt geheiratet und mit ihmgemeinschaftlich praktiziert. Aber schon die zweite Schülerinwar anders beschaffen. Sie saß auch ganz andächtig imKolleg und mühte sich weidlich ab in den praktischen Kursen, aberdas Verständnis wurde ihr enorm schwer. Sie schien eineninneren Widerwillen gegen die Anatomie nur mit Gewaltniederzuhalten, was ihrer Arbeit etwas Forciertes gab. Auchkonnte sie auf die Geltendmachuug ihrer Weiblichkeit nicht so ver-zichten wie die Suslowa und da es unter den Studenten immereinige giebt, die darauf reagieren, während andere die Frauenzimmerals Eindringlinge betrachten, so gab es Reibereien und Ablenkungenvom Unterricht.

Am unliebsamsten traten diese Verhältnisse in den Kliniken zuTage, wo die Damen, auch wenn sie zu spät kamen, als solche denVortritt verlangten, was ihnen freilich von Pros. Biermer undBillroth gründlich verboten wurde.