Band 
Eilfter Theil, die Buchstaben R und S enthaltend.
Seite
112
JPEG-Download
 

H2

Säulenordnung.

Olympiade lebte, und also der eigentliche Erfinder derIonischen Ordnung ist. ? Die Säule war schlanker undhöher als die Dorische und nach einer Conchoidallinie ver-jüngt. Die Epoche ihrer Erfindung und Ausbildunggeht von der Zeit der persischen Kriege bis auf das Endedes peloponnesischen Krieges. ^ Ctesiphon nahmdie Proportion von dein weiblichen Körper und gab derSäule eine Hohe von acht Durchmessern eines glrichdickei,Schaftes. Sie zeichnet sich hauptsächlich durch die Vo-luten, d. i. durch Schnecken oder Schnörkel aus, deren siean den Ecken des Knaufs achte hat, welche die Haarlo-cken oder die aufgebundenen Zöpfe der Frauenzimmer an-zeigen sollten, so wie die hohlen Streifen des Schaftsdie Falten der Röcke ausdrücken sollten. Das Fußge-simse war wie zusammengewundene Stricke, welche eineAnspielung auf die Schuhe seyn sollten. Das Kapitaldieser Ordnung hatte keine Blätter; erst in spätern Zei-ten hat es I. Del Duca mit einer Reihe Blätter ge-ziert. Vitruv hat die Beschreibung dieser Säule ge-liefert, aber ihre Zeichnung war verloren gegangen;indessen hat der deutsche Baumeister Gold mann ihreZeichnung mit allem Beyfall geliefert.

Die Corinthische Säulenordnung ist der Erfindungnach die dritte, nach Andern die vierte, denn sie wurdebald nach der Ionischen erfunden, und man setzt die Zeitihrer Erfindung in das Ende des peloponnesischenKriegs. ^ Bey den Griechen war sie der Kunst nachdie vierte Ordnung, jetzt aber ist sie die sechste, weil sieunter allen sechs Ordnungen die zierlichste ist. Ihr Er-finder war der Bildhauer und Baumeister Calliina-chus von Cvrinth, der in der 6r. Olympiade lebte undnicht nur die Schnörkel an den Säulen vermehrte, undsie viel zierlicher machte, sondern auch unter den Grie-chen die Verzierungen aus dem Pflanzenreiche in derBaukunst einführte. " Diese Ordnung hat am Kapi-tal