66 Seide und Seidenbau.
Seide, welche auf den Gütern der Muralto,Orelli rc. bei Lorcano erzeugt worden war, wollteNiemand kaufen, weil es Seide von Ketzern war.Der Bruder des Orelli sandte daher die seit einigenJahren sich angehäuften Verrathe nach Zürich, woman zum ersten Male versuchte, seidene Stoffe zu fa-briciren. Diese Versuche gelangen, und so ward demCanton Zürich dadurch ein neuer Erwerbsquell eröff-net. Die Seidenkultur beschäftiget in diesem Cantonan 8000 Arbeiter, und das Seidengespinnst wird größ-tentheils nach Frankreich ausgeführt.
In Rußland geschahen die ersten Anpflanzungenvon Maulbeerbäumen unter Peter dem Großen inder Ukraine, nicht weit von der Festung Belev, auchum Kiew, unter 50, 28 N. Br. Im Jahre 1720wurde, um die an der Achtube, einem Arme der Wolga,noch stehenden Maulbeerbäume zu benutzen, die ersteSeiden-Anlage und Manufaktur errichtet; auch wurdendie Kosaken am Terek zur Einführung des Seidenbauesaufgemuntert. Unter der Kaiserin Elisabeth wurdeim Jahre 1750 nicht fern von KiSljär eine mit vielenPrivilegien versehene Privatseidenfabrik errichtet; undauf Befehl der gedachten Kaiserin im Jahre 1756 eineKolonie von zusammengerafften Leuten an der Achtubevorzüglich inBeörodnaja gegründet, um den Seidenbauzu betreiben, welche Kolonie auch unter der KaiserinKatharina der Zweiten im Jahre 1773 aufsNeue mit 1300 Familien ansäßiger Bauern vermehrtward. Auch suchte man den Seidenbau aus derUkraine in das Neurussische Gouvernement zu verpflan-zen, und sparte keineKosten, um diesen Industrie-Zweigzu heben, indem selbst mehreren ausländischen Unterneh-mern beträchtlicheSummen ausgezahlt wurden. Alle dieseBemühungen, den Seidenbau zu heben, waren aber er-folglos; denn es fand sich in dem Jahre 1797, daß so-wohl die Krön« als Privat-Anlagen dieser Art ihren