Seide und Seidenbau. 89
rens ist das Kopuliren mit dem Kleb reise. Sieläßt sich besonders dann Vortheilhaft anwenden, wennder Wildlingsstamm bedeutend dicker ist, als daö aufzu-setzende Edelreis. Der Wildling wird hier ganz wage-recht abgeschnitten, wie beim Pfropfen, und seine Ober-fläche gehörig mit einem scharfen Messer geglättet; dannwird das Reis gerade so, wie beim Pfropfen in derSchale zugeschnitten. Man nehme aber die äußereSchale am Keile nicht hinweg, sondern hüte sich im Ge-gentheil auf das Sorgfältigste sie zu verletzen. Manmißt nun den NeiserS am abgeschnittenen Wildling undschneidet an demselben auf einer Seite ein StückchenRinde mit etwas Holz ab, so daß dieser Abschnitt mög-lichst genau in Länge und Breiteimit dem Keile amEdelreise übereinstimmt. An diesen Abschnitt wirdnun das Reis mit der inneren Seite seines Keiles soangesetzt, daß es mit seinem Absätze oben auf demStamme ruht, und längs der Seite des SchnittesRinde an Rinde anliegt. Der Verband wird am be-sten mit Bast gemacht und die Wunde sorgfältig mitzerschmolzenen Baumwachs verwahrt. — Eine vierteArt des Kopulirens geschieht auf folgende Weise. Mannimmt nämlich junge gesundeWurzelstückchen von altenBäumen, etwa 6 Zoll, auch wohl etwas darüber unddarunter lang, und von der Dicke einer Federspule biszur Stärke eines kleinen Fingers. Solche Wurzel-stückchen kann man sich in Menge verschaffen, wennman im Frühjahre alte, nicht mehr brauchbare Bäumeausrottet, und dabei ihre Wurzeln etwas weiter ver-folgt, oder auch, wenn man um die Baume her denBoden aufgräbt. Mit diesen Wurzelstückchen kopulirtman nun an dem Theile, welcher dem Baume zugekehrtwar, Reiser vom edlen oder italienischen Maulbeerbaumenach der zuerst angezeigten Methode, wenn die Reisermit den Wurzeln gleiche Stärke haben, und wenn dieletztem starker sind, mit dem Klebreise, verbindet sie wohl