100 Seide und Seidenbau.
denbair in den zu vermiethenden Häusern vor, weil siewegen ihrer sehr einfachen Zusammensetzung, sobald mannur einige Gehülfen zur Hand hat, mit großer Ge-schwindigkeit behandelt werden können. Zwei fleißigeMenschen können in einem Tage sechs Gestelle mit allenihren Fächern aufrichten, besonders wenn sie sich ersteinige Fertigkeit in den Handgriffen erworben haben;und noch geschwinder lassen sie sich nach vollbrachtemSeidenbaue auseinander nehmen, und an einem Orte,wo sie Niemand hinderlich sind, aufbewahren. Aufdiese Weise wird ein Haus, oder eine Stube sehr baldvon den Gerathschaften des Seidenbaues geräumt.
Am besten bleibt eö wohl, wenn die Seidenraupen-zucht einem Lande wirklich ersprießlich seyn soll, sie soallgemein zu machen, daß der Staat nicht nöthig hat,eigene Gebäude dafür zu errichten, sondern daß sie injedem Privatgebäude, Pallast oder Hütte, betriebenwerde. Im Ersteren zur Aufmunterung, und in Letzte-rer als Erwerbözweig; denn dieser Industrie-Zweig hatdas Gute, daß er von Frauen, Mädchen, Kindern, altenund armen Leuten, als Nebensache betrieben, und jedesZimmer, jede Kammer in-einem Hause dazu eingerichtetwerden kann. Auch Herr vonHazzi sagt: „Es be-darf hierzu keiner eigenen Gebäude und Anstalten, dieimmer kostspieliger bleiben und Kasernen oder Spitälerngleichen, auch selten gedeihen."— Die Zimmer, Stubenoder Gemächer, in denen man Seidenraupen ziehen will,müssen nur nicht zu feucht, dumpfig oder moderig seyn,gegen die einfallenden Sonnenstrahlen geschützt, bei kal-ter Witterung geheitzt und bei großer Hitze gelüftet wer-den können, und bei einer Höhe von 10 Fuß hinlängli-chem Raum zur Beherbergung der Raupen, die man zuerziehen gedenkt, haben. Um Raupen von 2 Unzenoder 4 Loth Eyern zu erziehen, bedarf man eines Zim-mers, das ungefähr 480 Quadratfuß Bodenfläche, oderetwa bei 24 Fuß Länge^ 20 Fuß Breite hat. Nach