114 Seide und Seidenbau.
Arbeiten Zeit gewonnen wird. Bei der Zucht im Klei-nen sind aber die meisten der oben angeführten Gerätheund Werkzeuge nicht nöthig; denn hier muß, der Kostenwegen, Alles so einfach, als möglich, eingerichtet seyn;auch wird jeder Seidenzüchter wohl von selbst beurthei-len können, welche Werkzeuge rc. er braucht.
Von der den Seidenraupen nöthigen Luftund Wärme. Daß die Luft ein Hauptnahrungö-mittel aller Geschöpfe ist, ist bekannt^ und daher darfsie auch den Seidenraupen nicht fehlen, um so mehr,da der Seidenspinner von der Natur bestimmt ist, imFreien zu leben. Hierzu kommt nun auch, daß diesesInsekt im ursprünglichen Vaterlands bei einem heiterenHimmel eine reinere und trocknere Atmosphäre genießt.Die Lust muß daher in den Gemächern der Seidenrau-pen so rein, als möglich, seyn, und immer den gehörigenGrad der Trockenheit besitzen. Man hat daher in Rück-sicht der Luft in den Seidenraupengemächern zweierleizu beobachten, 1) daß man die Luft, wenn sie verdorbenist, verbessere, und 2) daß man sie nicht zu feucht wer-den lasse. Die Luft in den Seidenraupengemächernwird durch mehrere zusammenwirkende Ursachen leichtverdorben. Nicht allein das Athem aller Geschöpfe indenselben, sondern auch die Ausdünstung der Raupen,welche besonders in der letzten Lebensperiode derselbensehr groß ist; denn die Ausdünstung der Menschen, diesich mit dem Seidenbau beschäftigen; die Ausdünstungdes Futters, des Mistes rc. haben einen großen Ein-fluß auf die Verunreinigung der Zimmer-Atmosphäre,und indem die reine Luft eingeathmet, und dagegen diemit verschiedenen Stoffen geschwängerte ausgeathmetwird, so kann man sich leicht mit den übrigen oben er-wähnten Ausdünstungen den Zustand der Lust erklären,welches man auch sogleich beim Eintreten an dem wider-lichen Geruch, ja oft Gestank bemerkt, indem Einem dasfreie Athem schwer wird. Man verbessert die Luft da-