Seide und Seidenbau. 115
durch, daß man die Zimmer lüftet, und so viel frischeeinströmen läßt, als man für gut findet, wobei man je«doch erstens darauf sehen muß, daß dieäußece Luft nichtzu kalt ist, so daß die Zimmertemperatur unter 10 GradReaumür Herabsteigen würde; zweitens, wenn heißeSüd- oder Westwinde wehen, welche den Raupen schad»lich sind; drittens, wenn die äußere Luft zu feucht ist;viertens, bei heftigen Stürmen. Dies ist jedoch nurvom Lüsten der Zimmer von außen durch Oeffnen derFenster und Thüren zu verstehen; wenn man aber diefrische Luft aus einem verschlossenen Erdgeschoß oderanders woher aus dem Innern des Hauses durch Luft»löcher einströmen lassen kann, so hat man für die Gesund«heit der Raupen nichts zu fürchten, weil dann die Luftschon einigermaßen erwärmt worden. Man kann auchdie Kälte der Luft, wenn sie nur nicht durch zu heftigeStöße eingebracht wird, durch verhältnißmaßigeS Ein»heizen im Ofen oder im Kamine beseitigen. Wennman die Luft aus der freien Atmosphäre in die Zimmereinströmen läßt, so wird man wohl thun, vor die Fen-ster oder Thüren dünne Vorhänge anzubringen, damitdas Einströmen geschehen kann, weil sonstbei zu starkenLustströmungen die Raupen leiden könnten. Wenn dasEinströmen nicht gehörig von Statten gehen sollte, sodarf man nur in den Zugöfen oder Kaminen von Reis-holz, Hobelspänen oder Stroh ein Feuer machen, so wirddadurch die Luft in der Stube in Bewegung gesetzt undabgeführt werden, damit die von außen eindringen kann.In den Fällen, wo man die Raupengemächer nicht lüf-ten kann, muß man zu künstlichen Mitteln seine Zufluchtnehmen, die zwar von Vielen empfohlen, von Vielenaber auch wieder verworfen worden, weil sie kein wirk-liches Verbesserungsmittel der Luft sind, sondern nurden Gestank im Zimmer umhüllen. Zu diese» Mittelngehören: Raucherpulver, Wachholderbeeren, wohlrie-chende Kräuter, Salpeter, Dämpfe von Essig rc.
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